Die BVB-Fans – auch die von den Lippstädter „Optimisten“ – hatten es zuletzt nicht leicht, entspannt auf Borussia Dortmund zu schauen. Die Saison 2024/25 wurde von etlichen Schlappen und Machtkämpfen überlagert. Umso bemerkenswerter war für die Schwarz-Gelben im Mai das Erreichen des Champions-League-Wettbewerbs 2025/26. Vor diesem Hintergrund geht das von Niko Kovac formierte Team in die neue Spielzeit.
Hans Zaremba über den BVB

Das meint der Chronist des Lippstädter BVB-Fanclubs, Hans Zaremba, in seiner wöchentlichen Fußballkolumne.
Archiv-Foto: Marco Zaremba
Verdienste
Was man lange in Dortmund nicht wahrhaben wollte, ist die fehlende Aufarbeitung der verpassten Meisterschaft in 2023. Es wurde zum langwirkenden Trauma, als der vom Coach Edin Terzic betreuten Mannschaft am letzten Spieltag vor heimischer Kulisse der eigentlich schon perfekte Titelgewinn durch ein kümmerliches 2:2 im Treffen mit Mainz 05 entglitt. Die bereits rund um den Borsigplatz organisierte Feier musste ausfallen, da parallel die Bayern durch ihr spätes 2:1 in Köln noch die Schale holten. Von diesem Schock konnte sich die BVB-Crew mit ihren damaligen Führungskräften Mats Hummels und Marco Reus im Folgejahr nicht richtig erholen. Auch der vierte Rang am Ende der 61. Bundesliga-Auflage und die Teilnahme am Finale in London um die europäische Vereinskrone (0:2 gegen Real Madrid) konnte diese mentale Last nicht verbergen. Es folgte im Juni 2024 – am Tag vor dem Beginn des Europaturniers der Nationalauswahlen – die überhastete Trennung von Edin Terzic und das Wagnis mit Nuri Sahin als neuen Cheftrainer. Der Ausgang des Experiments ist bekannt. Bereits sieben Monate später übernahm Niko Kovac als Übungsleiter nach einer Serie von Schlappen in der Champions-League, Bundesliga und im DFB-Pokal einen völlig verstörten Profikader. Es ist zweifellos das Verdienst des einstigen Bundesligakickers von Leverkusen, Bayern München und des Hamburger SV, dass er im zweiten Teil des vergangenen Fußballjahres – Januar bis Mai 2025 – die Schwarz-Gelben wieder in die Spur brachte. Das Resultat war die imponierende Umsetzung des zuvor von den Oberen der Dortmunder verkündeten Saisonziels mit der Qualifikation für die europäische Königsklasse in 2025/26.
Kontroversen
Überdies gab es nach dem Rückzug von Hans-Joachim Watzke als Verantwortlicher des Sportressorts mit der gleichzeitigen Berufung des vormaligen Nachwuchskoordinators Lars Ricken zum Sportgeschäftsführer einen weiteren Umbruch. Indem der Sauerländer der GmbH und Co KG aA als Vorstandsvorsitzender erhalten blieb, war für den neuen Mann auf der Brücke des einzigen börsenorientierten Bundesligisten keine einfache Situation. Schon kurz nach seiner Bestellung musste der Ex-Nationalspieler den Technischen Direktor Sven Mislintat entlassen, da dessen Kontroversen mit dem Sportdirektor Sebastian Kehl offenkundig nicht mehr zu kitten waren. Insider meinen, dass in Dortmund auch nach der Bestallung von Ricken in seiner heutigen Rolle keine Entscheidung ohne Watzke getroffen wird. Ebenso gelangt kaum eine Nachricht eines BVB-Mitarbeiters in die Öffentlichkeit, ohne vorher die Erlaubnis des 66-Jährigen eingeholt zu haben. Zudem wurde im Juni bekannt, dass sich der Diplomkaufmann aus Marsberg nach dem Auslaufen seines Vertrages als Vorstands-Boss im November bei der Jahresversammlung des Ballspielvereins Borussia 09 e.V. Dortmund für das Präsidentenamt kandidieren wolle. Doch der aktuelle Vormann, der Mediziner Dr. Reinhold Lunow aus Bornheim bei Bonn, will nicht weichen. Entgegen ursprünglicher Aussagen strebt der Internist eine Bestätigung in der Position an, die er im Herbst 2022 vom Juristen Dr. Reinhard Rauball übernommen hat. Überdies befürchten viele Anhänger des BVB ähnliche Zustände wie in München, wo sich der einstige Manager und heutige Aufsichtsrat Uli Hoeneß fortgesetzt in die operativen Vorgänge einmischt. Wie in der Revierstadt der Konflikt um das Präsidentenamt ausgeht, lässt sich nicht vorhersagen. Für die Ausrichtung von Borussia Dortmund auf die 63. Bundesliga-Auflage sind dies missliche Abläufe, die rasch die sportlichen Ambitionen des Clubs negativ beeinflussen können.


