Wer kann die Bayern aufhalten?

Als Bayern München vor sechs Jahrzehnten und zwei Jahre nach dem Bundesliga-Start den Aufstieg ins Oberhaus schaffte, war die Zahl der vom Verein aus dem Süden von München gewonnenen Meisterschaften mit dem Erfolg aus 1932 noch recht übersichtlich. Das galt in 1965 auch für die Summe seiner Anhänger, speziell in der westfälischen Region. Inzwischen konnte der Club weitere 33 Mal den Titel holen. Und die Anzahl seiner Fangemeinschaften beläuft sich nach Vereinsangaben auf rund 4.400. Folglich konnte der FC Bayern im innerörtlichen Vergleich in der bayerischen Metropole den dort populäreren TSV 1860 und Meister von 1966 bei weitem ausstechen und stieg zum unumstrittenen Branchenführer im nationalen Fußball auf.

Anmerkungen von Hans Zaremba zum Ligabeginn

Betrachtet die Perspektiven von Bayern München:
Worte von Hans Zaremba zum Start der neuen Bundesligaauflage.

Durchsetzungskraft

Vor diesem Hintergrund gehen die Bayern als Titelverteidiger und erster Anwärter auf den Gewinn der Schale in die am Freitag, 22. August, beginnende 63. Auflage der Bundesliga. Ob sich die Erwartungen der unterdessen auf über 326.000 registrierten Fanclub-Mitglieder des Rekordmeisters erfüllen, bleibt angesichts der latenten Machtkämpfe an der Säbener Straße abzuwarten. Ebenso kommt viel auf die momentan nur schwer einzuschätzende Durchsetzungskraft des Trainers Vincent Kompany an. Seit 2016, wo Carlo Ancelotti, der zuvor viele Erfolge als Coach bei verschiedenen europäischen Clubs einheimsen konnte, überstand bei den Bayern kein Übungsleiter mehr eine zweite Saison. Umso mehr lastet viel an Verantwortung auf den Schultern es der im Sommer 2024 nach mehreren Absagen  prominenter Kollegen von den Bossen an der Isar verpflichteten Sportlehrer aus Belgien, sein Team nach der Abgängen von Leroy Sane in die Türkei (Galatasaray Istanbul) und Thomas Müller zu Vancouver Whitecaps (Kanada) neu zu formieren. Was die möglichen Verstärkungen der erfolgsverwöhnten Münchner betrifft, halten sich diese bislang durchaus in Grenzen. Sieht man von Jonathan Tah aus Leverkusen für die Abwehr und Luis Diaz vom FC Liverpool als Mann der Offensive ab. Weniger Erfolg hatte die Bayern mit ihrem übertriebenen Buhlen um den 23-jährigen Stürmer Nick Woltemade vom VfB Stuttgart.

Brisanz

Dabei hat der in 2024 aus Leipzig geholte Max Eberl als Sportvorstand keine überzeugende Figur hinterlassen, insbesondere was seine Kommunikation angeht. Bereits bei dem am vergangenen Wochenende zum Fußballer des Jahres gekürten Florian Wirtz konnte der früher bei Borussia Mönchengladbach anerkannte Manager nicht landen. Der von seinem Vater Hans Wirtz betreute 22 Jahre alte Nationalspieler zog es vor, beim FC Liverpool anzuheuern. Dieser missglückte Transfer und die kolportierten Körbe bei den Versuchen Nico Williams (Athletic Bilbao) und Bradley Barcola (Paris Saint-Germain) zum Ligaprimus zu locken, erinnerten an die schwierige Trainersuche der Bayern vor Jahresfrist. Brisanz kam nun durch ein angebliches Detail hinzu, wonach das erste Angebot aus München für Woltemade wurde nicht von Eberl verschickt, sondern vom Büro des Vorstandsvorsitzenden Jan-Christian Dreesen. Der einstige Gladbacher und spätere Leipziger Manager soll lediglich im „cc“ erwähnt worden sein. Nicht von ungefähr verdichten sich in den Medien die Gerüchte um Markus Krösche, ehedem in Paderborn als Spieler und Funktionär erfolgreich und derzeit in Frankfurt als Sportvorstand tätig, anstelle von Max Eberl beim FC Bayern zu installieren.

Herausforderer

Inwieweit die Konkurrenz aus Dortmund (bei der ungeklärten Entscheidung um das  Präsidentenamt) sowie Leipzig (mit der neuen Rolle von Jürgen Klopp für den RB-Fußball) Leverkusen (nach dem totalen Umbau in der Nachfolge von Xabi Alonso auf der Bank) als potentielle Herausforderer der  Bayern von den Unruhen in München am Ende profitieren können, bleibt ungewiss. Die Antwort, wer den FC Bayern München auf seinem Weg eines erneuten Erfolges in der Bundesliga aufhalten kann, wird es wie immer auf dem Platz geben.