Inzwischen befindet sich der im Kommunalwahlkampf von den Sozialdemokraten unterstützte Alexander Tschense bereits zwei seit Wochen als Bürgermeister im Amt. Nach seiner Vereidigung in der konstituierenden Ratssitzung am Montag, 3. November, und der von ihm vorzunehmenden Verpflichtung der 62 Ratskollegen oblag ihm am vergangenen Samstag, 9. November, die Verabschiedung der zum 31. Oktober aus ihren Funktionen ausgeschiedenen bisherigen Vizebürgermeister, Ratsmitglieder und Ortsvorsteher vorzunehmen. Dazu hatte sich eine stattliche Zahl von vormaligen Mandatsträgerinnen und Mandatsträgern auf dem Gelände des künftigen Stadthauses um die Jakob-Koenen-Straße eingefunden. Dort vermittelte ihnen Rüdiger Wachsmann, der als Verwaltungsfachmann im derzeitigen Stadthaus am Ostwall das Projekt Stadthausneubau begleitet, vielfältige Informationen zum aktuellen Stand des Großbauvorhabens der Stadt Lippstadt. Ein Rundgang über das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs mit dem im Rohbau befindlichen künftigen Verwaltungssitz der Stadt Lippstadt rundete diesen Teil des Treffens der einstigen Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker ab.

Momentaufnahme mit drei Damen und der Herren aus der SPD im Rathaus. Von links Marlies Stotz, Gunther Schmich, Udo Strathaus, Christine Goussis, Birgit Dewerth und Hans Zaremba.
Foto: Elisabeth Körner.
Danke
Im Anschluss traf sich die Gruppe im Rathaus, wo Bürgermeister Alexander Tschense mit einer Rede das Engagement der zu dieser Feierstunde eingeladenen Damen und Herren würdigte. Dabei betonte er gegenüber seinen Zuhörerinnen und Zuhörern, „Ihnen im Namen der Stadt Lippstadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger ausdrücklich „Danke“ zu sagen. Danke dafür, dass Sie Verantwortung übernommen haben. Danke dafür, dass Sie über Jahre einen erheblichen Teil Ihrer Zeit und Kraft in das Gemeinwesen investiert haben.“ Die Rede des Bürgermeisters ist zum Ende dieses Wochenrückblicks im Wortlaut aufgenommen worden. Ausführlicher wird Rote Lippe Rose in seiner Printausgabe vom 1. Dezember über das Stelldichein im Rathaus berichten.
Verwunderung
Verwundert waren viele Bürgerinnen und Bürger in der vergangenen Woche über eine Äußerung des am Sonntag, 28. September, von den Lippstädterinnen und Lippstädtern im Stichentscheid um das Bürgermeisteramt abgewählten Arne Moritz (CDU) auf einer Veranstaltung seiner Partei, als er seine Niederlage als „einen Betriebsunfall“ bezeichnete. Und das Nachtreten gegen seinen siegreichen Konkurrenten wegen dessen gewiss nicht geschickten Vorgehens im Internet mit einem Fake-Account löste eine Kommentar-Flut im Netz aus. Es war eine Menge von empörten Zuschriften über die Worte des aus Solingen geholten Mannes zu notieren, der während seiner gesamten Zeit in Lippstadt als Vorsitzender des Rates und Chef der Verwaltung im Stadthaus nie richtig angekommen war. Auf den Punkt brachte es dabei das vormalige FDP-Ratsmitglied Dr. Forusan Madjlessi „Mehr Ignoranz und Arroganz geht kaum“.
Missbehagen
Unterdessen nimmt in Bad Waldliesborn das Missbehagen über die beabsichtigte Schließung der aktuell noch mit Personal besetzten Filiale der Sparkasse Hellweg-Lippe und die für das Frühjahr 2026 vorgesehene Herabstufung in eine reine Selbstbedieungsfiliale zu. Die von der CDU für die nächste Ratssitzung vorgesehene Initiative, dieses Vorhaben der Anstalt des öffentlichen Rechts noch zu stoppen, ist nachvollziehbar. Ebenso die von der Union angeführten Argumente, dass nach den bereits erfolgten Schließungen anderer Filialen – Cappel, Lipperbruch und Beckumer Straße – bei einem Aus für die Sparkassen-Anlaufstelle in Bad Waldliesborn im Norden von Lippstadt keine klassische Sparkassenfiliale mehr vorhanden ist. Einen derartigen Protest aus dem Heilbad hätte sich der Vorstand des Geldinstituts hätte ersparen können, wenn er die zuvor geäußerten Bedenken gegen seine Überlegungen mit Blick auf Bad Waldliesborn Glauben geschenkt hätte.
Mitgliederbegehren
Derweil ist in der Sozialdemokratie Unmut zu den geplanten Veränderungen beim Bürgergeld aufgekommen. Mit einem Mitgliederbegehren beabsichtigt bundesweit eine Gruppe aus der ältesten deutschen Partei, mögliche Verschärfungen bei der Grundsicherung aufzuhalten. Die ehemalige Juso-Chefin Franziska Drohsel sammelt dafür in der SPD bereits Unterschriften, da sie und ihre Mitunterzeichnerinnen und Mitunterzeichner einen schwarz-roten Sozialabbau befürchten. Das alles stößt jedoch auf Ablehnung beim SPD-Parteichef Lars Klingbeil, der sich auf den Koalitionsvertrag mit den Unionsparteien beruft. Der Vizekanzler befürwortet einen deutschen Sozialstaat, der sich um Menschen kümmere, denen es nicht gut gehe. „Aber wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es Fehlentwicklungen gibt beim Sozialstaat“, sagte der Finanzminister bei einer Diskussionsveranstaltung der Wochenzeitung „Die Zeit“. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Sozialdemokratie aus dieser Klemme befreien kann.
Lösung
Dagegen hat sich nach einer längeren Debatte die Koalition aus den Unionsparteien und der SPD auf eine Regelung für die künftige Ausrichtung der Bundeswehr geeinigt. Danach sollen demnächst alle jungen Männer eines kompletten Jahrgangs im Alter von 18 Jahren gemustert werden. In einem zweiten Schritt soll dann ein Losverfahren eingesetzt werden, falls sich unter den wehrtauglichen jungen Männern nicht genügend Freiwillige für den Wehrdienst finden. Damit solle dann entschieden werden, wer zur Bundeswehr muss. Ob diese Regelung zu den gewünschten Ergebnissen führt, lässt sich gegenwärtig nicht abschließend beurteilen. Das Thema wird der Politik erhalten bleiben.
Fußball
Während die Bundesliga aufgrund der Länderspiele in Luxemburg am gestrigen Freitag mit einem schwachen 2:0 der Nagelsmänner und am Montagabend daheim gegen die Slowakei an diesem Wochenende eine Pause eingelegt hat, gehen die Begegnungen in der Oberliga Westfalen weiter. Auch für den SV Lippstadt 08, der am Sonntag um 14.00 Uhr bei der SpVgg Erkenschwick antreten muss. Dazu reisen die Schwarz-Roten mit einem Sieg von 1:0 vom vergangenen Samstagabend gegen den ASC Dortmund an, mit dem sie ihre führende Position in der Tabelle unterstrichen haben. Momentan haben die Schützlinge des Übungsleiters Felix Bechtold einen guten Lauf, der die Fans des Lippstädter Vereins auf eine mögliche Rückkehr in die Regionalliga im Mai 2026 hoffen lässt.
Im Wortlaut
Nachstehend in kursiver Schrift die Rede des Bürgermeisters Alexander Tschense anlässlich der Verabschiedung langjähriger Kommunalpolitiker am vergangenen Samstag, 8. November, im Rathaus.
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe (jetzt ehemalige) Mitglieder des Rates,
(ehemalige) Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher,
(ehemalige) stellvertretende Bürgermeisterinnen und Bürgermeister,
sehr geehrte Gäste,
herzlich willkommen im historischen Ratssaal. Dieser Raum bietet das passende Ambiente, um Sie — unsere ehemaligen Ratsmitglieder, Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher und stellvertretende Bürgermeisterinnen und Bürgermeister — zu verabschieden. Passend, weil viele von Ihnen über lange Zeit hier als politisch Verantwortliche im Rat Politik gemacht haben. Erst seit der letzten Wahlperiode mit einem deutlich vergrößerten Rat musste das höchste Gremium der Stadt auf einen anderen Ort ausweichen.
Als neuer Bürgermeister dieser Stadt stehe ich heute vor Ihnen mit Respekt und großer Dankbarkeit. Im Rat und auch in den anderen Funktionen haben wir nicht zusammengearbeitet, aber Ihr Wirken für die Stadt mit ihren Ortsteilen und die Entscheidungen, die in den vergangenen Jahren auch durch Sie getroffen wurden, habe ich aber natürlich verfolgt. Darum ist es mir ein wichtiges Anliegen, Ihnen im Namen der Stadt Lippstadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger ausdrücklich „Danke“ zu sagen. Danke dafür, dass Sie Verantwortung übernommen haben. Danke dafür, dass Sie über Jahre einen erheblichen Teil Ihrer Zeit und Kraft in das Gemeinwesen investiert haben.
Demokratie lebt vom Mitmachen — und von Menschen, die bereit sind, öffentlich Stellung zu beziehen, Standpunkte verantwortungsvoll zu vertreten und Kompromisse zu suchen. Und genau das haben Sie getan. Sie haben sich der oft mühsamen, aber notwendigen Arbeit gestellt, die eine Stadt zusammenhält: zuhören, abwägen, entscheiden — und wieder von vorn. Dieses Eintreten für das Gemeinwohl ist kein Selbstverständnis, es ist ein Geschenk an unsere Stadt.
Nicht jeder Beschluss ist leicht — und Entscheidungen im Rat sind selten nur „richtig“ oder „falsch“. Sie erfordern das Abwägen von Interessen, die manchmal grundsätzlich gegensätzlich erscheinen: Wirtschaftsförderung und Naturschutz, Verkehr und Lebensqualität, Investitionen in Neubau oder Erhalt. Wer im Rat – oder wie die meisten unter Ihnen – in Fachausschüssen sitzt oder als Ortsvorsteher oder Ortsvorsteherin im Fokus ist, steht oft in der Mitte dieser Spannungsfelder. Dazu gehört auch, mit Kritik zu leben: öffentliche Rückmeldungen, manchmal harte Worte, sind Teil der Demokratie. Dass Sie dieses ausgehalten haben und trotzdem tätig geblieben sind, macht Ihr Engagement umso bemerkenswerter. Für Einige von Ihnen ist es ja auch noch nicht vorbei, sondern für Sie geht die Arbeit in den Fachausschüssen weiter.
Glücklicherweise tragen das manchmal „harte Ringen“ und lange Abwägen oft genug Früchte in Form von Ergebnissen, die dann doch vielen Ansprüchen und Interessen gerecht werden können. Auch wenn es für den ein oder anderen vielleicht etwas länger dauert mit der Akzeptanz. Man denke nur an die Maßnahmen aus dem Mobilitätskonzept zur Umgestaltung der Woldemei oder die Umsetzung von Tempo 30 in der Altstadt. Was hat es seinerzeit für einen Aufschrei und teils unangemessene Reaktionen darauf in Richtung Politik und Verwaltung gegeben! Mittlerweile mag sich zumindest kein Radfahrer mehr die bequeme und sichere Nord-Süd-Verbindung durch die Innenstadt wegdenken. Und ich meine, dass sich auch hinter den PKW-Lenkrädern die Gemüter längst beruhigt haben.
Die Mobilität in unserer Stadt wird die Verwaltung und die Politik auch weiter beschäftigen, denn sie ist mir persönlich ein großes Anliegen.
Sie ist natürlich nur ein Thema – wenn auch ein wichtiges – das Sie in den Jahren Ihrer politischen Arbeit aktiv mitbegleitet haben. Das Portfolio ist um ein Vielfaches größer und je nachdem, wie lange Sie dem Rat oder auch den verschiedenen Fachausschüssen angehört haben, gibt es sicherlich einige Meilensteine auf diesem kommunalpolitischen Weg. Ein Hans Zaremba, der seit 1979 ununterbrochen im Rat sitzt (und damit genauso lange, wie Julia Köller auf der Welt ist
oder eine Marlies Stotz, die dem höchsten Gremium der Stadt seit 1989 ununterbrochen angehört, haben da sicherlich eine ganze Menge zu erzählen. Aber auch Franz Gausemeier, Helga de Horn oder Sabine Pfeffer, die nicht nur viele Jahre an Rats- und Ausschussarbeit hinter sich haben, sondern auch lange Zeit als stellvertretende Bürgermeister und Bürgermeisterinnen aktiv waren, könnten sicherlich Bücher schreiben über das, was sie in der ein oder anderen Funktion erlebt haben. Und aus 23 Jahren Tätigkeit als Ortsvorsteher von Lipperbruch ist auch Gunther Schmich reich an Erlebnissen und Geschichten aus dem Ortsteil, dem ich persönlich natürlich auch noch besonders nahestehe.
Für alle von Ihnen gilt unabhängig von der Länge Ihrer politischen Aktivität: Viele der Projekte, die wir heute als Selbstverständlichkeit erleben oder über die lebhaft diskutiert wird, sind Ergebnis Ihrer politischen Arbeit. Seien es Investitionen in Bildung, in Sport und Freizeit, Tourismus- oder Stadtentwicklung, Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Das Projekt, dessen Fortschritt wir uns vorhin noch angeschaut haben, ist dabei sicherlich eines der prominentesten der letzten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Mit dem „QSA“ – Quartier Südliche Altstadt entwickeln wir eine interstädtische Brache und das nahe Umfeld in einer nachhaltigen und zukunftsweisenden Richtung. Das neue Stadthaus wird dabei wichtiger Ankerpunkt für die Bürgerinnen und Bürger und im positivsten Sinne „Schauplatz der politischen Auseinandersetzung“. Viele Dinge, die Sie auf den Weg gebracht haben, werden uns in den nächsten Jahren noch beschäftigen: Die Weiterentwicklung Bad Waldliesborn als Kur- und Thermenstandort oder die künftige Nutzung des Uniongeländes. Für die Südtangente und die Hauptwache sind die Weichen dort gestellt. Was darüber hinaus dort geschehen kann, möchte ich auch unter Einbindung der Öffentlichkeit mit Politik und Verwaltung erarbeiten.
Liebe Geehrte, Ihr Einsatz hat Spuren hinterlassen — in Gebäuden, in Konzepten, in Beschlüssen und vor allem im Vertrauen der Menschen, dass kommunales Engagement etwas bewirken kann. Manche Entscheidungen sind sofort sichtbar; andere zeigen ihre Wirkung erst über Jahre. Beides ist notwendig und beides ist Ergebnis Ihrer Arbeit.
Im Namen von Rat und Verwaltung sage ich daher noch einmal: Herzlichen Dank für Ihre Zeit, Ihre Tatkraft und Ihren Mut. Die unter Ihnen, die nun keine Gremienarbeit mehr machen, möchte ich mit der Gewissheit „entlassen“, dass Ihr Einsatz Lippstadt weiter vorangebracht hat und denen, die noch weiter in Fachausschüssen oder Beiräten tätig sind, wünsche ich auch in Zukunft gutes Gelingen für unsere Stadt und unsere Bürgerinnen und Bürger.
Vielen Dank!


