Ein bemerkenswerter Abend

Wenn ein Fußballspiel um 19.00 Uhr angepfiffen werden soll, tatsächlich erst um 22.00 Uhr endet, dann kann man gewiss von einem bemerkenswerten Abend schreiben: So geschehen in der Liebelt-Arena bei der letzten Partie des SV Lippstadt 08 in der Oberliga West in diesem Jahr. Es waren mehrere Vorgänge, die zu dieser auffallenden Länge der Partie zwischen den Schwarz-Roten gegen die SG Wattenscheid 09 führten.

Hans Zaremba zum Hinrunden-Ende des SV 08

Der Trainer des SV Lippstadt 08, Felix Bechtold (Mitte), im Kreis seiner Mannschaft und dem Betreuerteam nach dem 2:2 gegen die SG Wattenscheid 09.
Foto: Hans Zaremba

Umsichtigkeit

Alles begann damit, dass die Busse mit den Gefolgsleuten des früheren Bundesligisten aus dem Ruhrgebiet erst eine Viertelstunde vor dem Anstoß den Ort an der Wiedenbrücker Straße erreichten. An einem Freitag im Advent bestimmt keine Überraschung. Warum der Schiedsrichter Ali Magrouda gleichwohl die Begegnung nicht zum verlegten Beginn um 19.10 Uhr eröffnen konnte, war dem unsinnigen Gebaren aus dem Block der Lippstädter Anhänger geschuldet. Sie hatten durch den unerquicklichen Einsatz von Pyro-Technik das Spielfeld auf einer breiten Fläche geradezu vernebelt. Ebenso störend war das Zündeln von mehreren Böllern aus der Ecke der rund 200 Begleiter aus Wattenscheid. Dass ein möglicher Abbruch des Spitzenspiels in der fünften Liga vermieden wurde, ist der umsichtigen Regie des Referees zu verdanken. Ebenso offenbarte der Spielleiter viel Fingerspitzengefühl, als zum Beginn der Halbzeitpause beim Stand von 1:1 ein abrupter Totalausfall des Flutlichtes im einstigen Stadion „Am Bruchbaum“ zu verzeichnen war. Es sollte eine Stunde dauern, bis ein eilig herbeigerufener Notdienst die Beleuchtung wieder herstellen konnte. Ein vorzeitiges Ende des Spiels hätte unheilvolle Folgen für den SV 08 bedeuten können. Und erstaunlich war, dass trotz dieser langen Zwangsunterbrechung fast alle 1.512 registrierten Zuschauer bis zum Abpfiff auf den Rängen der der Sportstätte im Lippstädter Kernstadt-Norden ausharrten. Was ihnen dargebracht wurde, war ein spannendes Match mit einem rundweg gerechten Ausgang von 2:2, bei dem die Lippstädter zweimal einen Rückstand ausgleichen konnten.

Perspektiven

Der Gäste-Coach Christopher Pache war in der vom SV-Präsidiumsmitglied Jörg Borgmeier moderierten Pressekonferenz nach dem Fight froh, „noch einen Punkt mitgenommen zu haben“. Sein Lippstädter Kollege Felix Bechtold zeigte sich beeindruckt davon, dass seine Mannschaft trotz der „extremen Widerstände“ das Remis schaffte. Der Respekt des SV-Übungsleiters galt der großen Unterstützung der örtlichen Fans, vor dessen Tribüne sich seine Crew nach dem reizvollen Schlagabtausch bedankte. Zudem blickte der Betreuer des Fusionsvereins von 1997 auf den guten Verlauf der Hinrunde seiner Kicker. Tatsächlich war es ein echter Fußball-Leckerbissen, der bei der angenehmen Atmosphäre in Lippstadt zwischen dem Tabellenführer aus dem Revier (der nun 42 Punkte auf dem Konto hat) und seinem Verfolger aus Westfalen (mit eingesackten 37 Zählern bei einem noch ausstehenden Nachholspiel in Rheine) geboten wurde. Die Ankündigung von Thilo Altmann, Präsident des Gastgebers, im Stadionmagazin „Nullacht“: „Wir dürfen uns also auf ein Duell auf absoluten Topniveau freuen“ traf für das Oberliga-Spitzenspiel vollends zu. Übrigens: Wattenscheid ist in dieser Saison noch unbesiegt. Zwangsläufig ist in der ehedem kreisfreien Stadt das Verlangen groß, wieder an alte glorreichere Zeiten anknüpfen zu können. Trotz der bestimmt realistischen Rückkehr in die Regionalliga ist man im heutigen Stadtbezirk von Bochum aber noch weit davon entfernt, wie von 1990 bis 1994 erneut in der Beletage aufzulaufen oder zumindest in die Zweite Liga zurückzukehren. Dafür hat sich zu viel vor dem Hintergrund der ausufernden Kommerzialisierung des Fußballs verändert. Hingegen wäre man an der Lippe begeistert, im Sommer 2026 nach zweijähriger Abwesenheit wieder in die professionell ausgerichtete Regionalliga aufzusteigen. Diese Perspektiven sind nach der ersten Hälfte der Spielzeit 2025/26 dafür wohl gegeben. Am Sonntag, 1. Februar 2026, geht es für den SV Lippstadt 09 mit dem Auftritt vor heimischer Kulisse gegen die SpVgg Vreden 1921 weiter.