Die Zweite Liga im Blick

Während man Lippstadt mit berechtigen Aussichten für das Jahr 2026 auf ein Regionalliga-Comeback des SV Lippstadt 08 setzt, sind in Verl im benachbarten Kreis Gütersloh die Fußball-Signale sogar auf eine Beförderung in die Zweite Liga ausgerichtet. Für die Kommune mit ihren knapp 26.000 Einwohnerinnen und Einwohnern eine beachtliche Konstellation und die Folge eines stetigen Engagements.

Hans Zaremba über den SC Verl

Betrachtet die Entwicklung des SC Verl:
Der Chronist der Lippstädter BVB-Freunde, Hans Zaremba, über ein besondere Geschichte im Fußball.

Gönnerschaft

Bereits seit vielen Jahren war in den 15 Kilometern südlich von Bielefeld gelegenen Verl eine kontinuierliche Arbeit des am 6. September 1924 gegründeten SC zu beobachten. Unterstützt wird sie durch bereitwillige Sponsoren. Eine wesentliche Grundlage für die erfolgreiche Entwicklung der Schwarz-Weißen. Die massive Gönnerschaft bewirkte die Herauslösung des SC Verl aus dem einstigen Fußball-Schatten von Gütersloh mit deren vormaligen Zweitligisten SVA und DJK, die später zum FCA fusionierten. Seit der Spielzeit 2020/21 ist der SC Verl eine feste Größe in der eingleisigen dritten Liga. Übrigens eine Fußball-Klasse, die erst mit der Saison 2008/09 eingeführt wurde und ausschließlich in der Verantwortung des DFB (Deutscher Fußball-Bund) steht. Hingegen befinden sich die Bundesliga und die Zweite Liga in der Regie der DFL (Deutsche Fußball-Liga).

Erfolgsgeschichte

Zurück zur augenblicklichen Verler Erfolgsgeschichte: Unterdessen ist der SC in der dritten Liga seit elf Begegnungen ungeschlagen. Immerhin müssen sich die Ostwestfalen in dieser Klasse mit zehn früheren Bundesligisten (Energie Cottbus, MSV Duisburg, Rot-Weiß Essen, Hansa Rostock, TSV 1860 München, SV Waldhof Mannheim, FC Ingolstadt, 1. FC Saarbrücken, Alemannia Aachen und SSV Ulm) messen. Nach dem torlosen Remis in der Heimpartie am dritten Advent gegen Rot-Weiß Essen holte Verl im letzten Match vor der bis zum Samstag, 17. Januar, gehenden Weihnachtspause mit dem 2:0 beim TSV 1860 München drei wichtige Zähler. Damit nimmt der SC Verl nach der Beendigung der Hinrunde mit 35 Punkten und einer Tordifferenz von 18 Treffern den zweiten Rang in der dritten Liga ein. Halten die Verler diesen Platz in der Rückrunde, die für sie am 16. Mai 2026 mit der Partie vor eigener Kulisse gegen 1860 endet, steht ihnen erstmals die Tür für die Zweite Liga offen. Bekanntlich befinden sich dort gegenwärtig mit Schalke, Paderborn, Bochum, Münster und Bielefeld bereits fünf Vereine aus Westfalen. Von ihnen haben mit den Gelsenkirchener Knappen und die Mannschaft aus dem Hochstift durchaus zwei Teams realistische Chancen auf eine Rückkehr in die Beletage des deutschen Fußballs.

Selbstbewusst

Bei einem möglichen Aufstieg des SC in das Bundesliga-Unterhaus wird er seine Heimspiele außerhalb von Verl bestreiten müssen. Wegen der fehlenden und für die Zweite Liga vorgeschriebenen Kapazität von 15.000 Plätzen müssten die Schwarz-Weißen in die Nachbarschaft ausweichen. Voraussichtlich würden diese Treffen in Paderborn ausgetragen, was zuletzt aus Kreisen des SC zu vernehmen war. Wie rasant sich der Sportclub in den letzten fünf Jahren nach dem Einzug in die dritte Liga entwickelt hat, vermittelt eine von den Medien aufgegriffene Anekdote. „Im ersten Jahr hatten wir einen Etat zwischen drei und vier Millionen Euro“, erinnert sich Stefan Beckhoff aus dem Verler Verwaltungsrat und fügte hinzu: „Der DFB hat uns gefragt, ob wir das ernst meinen und ob uns bewusst ist, was da auf uns zukommt.“ Doch die Verler überstanden bereits die erste Spielzeit in der dritten Liga furchtlos und belegten am Ende den siebten Rang. Indessen haben verschiedene Trainer die sportliche Entwicklung in Verl vorangetrieben. So Mitch Kniat, der inzwischen Arminia Bielefeld betreut, und Alexander Ende, der im vergangenen Sommer bei Preußen Münster anheuerte, und aktuell Tobias Strobl. Zu seinen Zielen in Verl befragt, erklärte der momentane Coach selbstbewusst: „Wenn das wirklich die 2. Liga wäre, dann wäre ich wahrscheinlich der Letzte, der sich dagegen wehrt!“