Gigantismus und Lösungen

Wenn vom 11. Juni bis 19. Juli 2026 die Endrunde der 23. Weltmeisterschaft (WM) im Fußball ausgetragen wird, dann beinhaltet sie zwei Eigenarten, die zuvor noch keine WM hatte: Die sich für das Spektakel in Nordamerika qualifizierten Teams treffen dann gleich in drei Staaten (Kanada, Mexiko und USA) aufeinander. Und erstmals gehen 48 Mannschaften an den Start. Zum Vergleich: 60 Jahre zuvor – 1966 in England – waren es gerade mal 16 Nationen. Das vornehmlich vom Präsidenten des Weltverbandes Fifa (Fédération Internationale de Football Association), Giovanni Vincenzo Infantino, aufgeblähte Teilnehmerfeld ist zweifellos seinem Hang zum Gigantismus geschuldet.

Anmerkungen zur WM 2026 von Hans Zaremba

Kritische Betrachtungen zum bevorstehenden sommerlichen Fußball-Spektakel in Amerika:
Sie beschreibt der Chronist der Lippstädter BVB-Freunde, Hans Zaremba, in seiner wöchentlichen Kolumne.

Überhöhung

Bereits bei den WM-Turnieren in 2018 (Russland) und 2022 (Katar) war der Schweizer durch sein Gebaren – insbesondere im Zusammenspiel mit den jeweiligen Machthabern in den Ausrichterstaaten – verstärkt in die Kritik geraten. Die vom 55 Jahre alten Juristen aus dem Wallis initiierte Auslosung der Gruppen für das Mammut-Turnier in 2026 bezeichnete die englische Zeitung „The Mirror“ als eine „üble Zuschaustellung politischer Speichelleckerei“. Dabei hob die Gazette auf die mangelnde Transparenz bei der Vergabe des sogenannten Friedenspreises an den US-Präsidenten Donald Trump ab. Viele Beobachter befürchten, dass durch ähnliche Aktionen im Sommer der sportliche Wettkampf der WM in den Hintergrund gerät. Folglich warnte der Geschäftsführer des DFB (Deutscher Fußball-Bund), Andreas Rettig, vor einer politischen Überhöhung des Fußballs. Zurück zur Anordnung der Vorrunde für die XXL-WM: Der von der Fifa gebastelte Turnierbaum gewährt den vier gesetzten Topteams – Spanien, Argentinien, Frankreich und England – klare Vorteile, weil diese als vermutliche Gruppenerste sich frühestens im Halbfinale begegnen. Es ist keine Überraschung, dass Deutschland nicht zu den Topfavoriten zählt. Dafür waren die Taten der DFB-Auswahlen bei den Konkurrenzen in 2018 mit dem Aus in der Gruppenphase unter Leitung Joachim Löw in der Gruppenphase und in 2022 in der Regie von Hansi Flick mit der wiederholten Abreise nach der Vorrunde zu bescheiden.

Beständigkeit

Unstreitig hat Deutschland nun mit den anstehenden Gruppen-Partien im Vergleich mit Curacao (14. Juni), Elfenbeinküste (20. Juni) und Ecuador (25. Juni) drei Gegner bekommen, die bezwingbar sein sollten. Von einem Glückslos will jedoch der DFB-Sportdirektor Rudi Völler für das vom Bundestrainer Julian Nagelsmann zu berufende Aufgebot nicht reden. Gleichwohl hat der frühere Nationalstürmer nach einem Presseartikel mit den Worten „Wir werden uns für das Sechzehntelfinale qualifizieren“ bei den Fans Zuversicht verbreitet. Gewiss aber eine zurückhaltende Auffassung, die auf die mäßigen deutschen Darbietungen während der Ausscheidungen für den Wettbewerb in Amerika zurückzuführen ist. Bislang hat es der experimentierfreudige ehemalige Bundesliga-Coach nicht vermocht, als Übungsleiter der Nationalelf den ihm anvertrauten Kickern eine längere Beständigkeit im DFB-Trikot zu vermitteln. Ebenso wenig zeichnen sich ein halbes Jahr vor der Eröffnung der WM feste Konturen im Gefüge der DFB-Crew ab. Das fängt schon beim Torhüter an, obwohl mit Oliver Baumann (TSG 1899 Hoffenheim) eigentlich eine Alternative nach dem Rücktritt von Manuel Neuer gefunden wurde. Wegen der unsicheren Situation von Marc-Andre ter Stegen beim FC Barcelona dürften sich die Spekulationen um ihn als Keeper beim Turnier in 2026 erledigt haben. Unklar erscheint weiter die Rolle des Kapitäns Joshua  Kimmich. Viel zu oft rotiert er als Rechtsverteidiger und Mittelfeldspieler. Ob Nick Woltemade die Garantie für die nötigen Tore ist, lässt sich nach acht Länderspielen mit vier Buden nicht schlüssig beantworten. Kurzum: Es sind noch unzählige Punkte, für die der Trainerstab beim DFB Lösungen zu finden hat.