Ein Schatzmeister aus Passion

Wenn von 1974 bis 2000 in der Lippstädter Sozialdemokratie über lokale Maßnahmen in den damaligen Wahlkämpfen – von der Kommune über das Land und im Bund bis zur europäischen Ebene – beraten wurde, dann war stets Franz-Josef Martin (1936-2001) als Schatzmeister mit von der Partie. Ähnliches galt auch für den LST (Lippstädter Spielverein Teutonia 08), für den lange der im Stadthaus am Ostwall beruflich tätige Mann ebenso über Jahre hinaus die Finanzen mit viel Umsicht verwaltete. Rote Lippe Rose erinnert mit diesem Rückblick an Franz-Josef Martin, der vor einem Vierteljahrhundert – am Samstag, 20. Januar 2001 – verstorben ist. Sein langjähriger Freund und Begleiter in der SPD und bei Teutonia, Willi Kröger, hat ihn nach seinem Tod gegenüber der Tageszeitung in Lippstadt als „lebensbejahenden, geselligen Menschen, der so gut wie keine Feinde hatte“, zutreffend geschildert.

Erinnerung an Franz-Josef Martin

Lippstadt am Samstag, 14. Oktober 1972:
Franz-Josef Martin (vorne rechts) am Informationsstand der SPD vor dem Rathaus, das damals noch mit Arkaden versehen war. Sein Einsatz galt der legendären Kampagne „Willy wählen“ für die Bundestagswahl am Sonntag, 19. November 1972. Mit dabei war auch der spätere Ratsherr Willi Kröger (links), ein langjähriger Wegbegleiter von Franz-Josef Martin sowohl in der örtlichen Sozialdemokratie als auch beim Lippstädter Spielverein Teutonia.

Sozialdemokratie

Franz-Josef Martin ist noch in der Amtszeit des volkstümlichen und von der SPD in den Jahren von 1948 bis 1974 gestellten Bürgermeisters Jakob Koenen (1907-1974) Mitglied der SPD geworden. Es war die Phase des politischen Aufbruchs mit dem damaligen Triumvirat der SPD-Bundespartei, Willy Brandt (1913-1992) Helmut Schmidt (1918-2015) und Herbert Wehner  (1906-1990). Von der Gründung des SPD-Stadtverbandes Lippstadt im Frühjahr 1974 in Bad Waldliesborn bis zum SPD-Stadtparteitag im März 2000 war Franz-Josef Martin ununterbrochen dessen Schatzmeister. Fast genauso lange – von 1969 bis 1990 – war er Zweiter Kassierer des damaligen SPD-Ortsvereins in der Kernstadt. Bei den parteiinternen Wahlen der Vorstände des Stadtverbandes und Ortsvereins der SPD erzielte er fortwährend Spitzenresultate. Sie unterstrichen die Wertschätzung der Sozis für den gelernten Maurer und von 1962 bis 1999 als Angestellter bei der Verwaltung der Stadt Lippstadt im Tiefbauamt sowie in der Kämmerei tätigen Sozialdemokraten für seine auf Wirtschaftlichkeit ausgerichtete und überzeugende Betreuung der ihm anvertrauten Gelder.

Lippstadt am Freitag, 25. Februar 1994:
Dieses Bild mit den Eheleuten Erika Martin und Franz-Josef Martin ist bei der damaligen Mitgliederversammlung der Kernstadt-Sozialdemokraten im Lokal „Altes Brauhaus“ entstanden. Im Herbst 1999 wurden sie für ihr nachhaltiges Engagement als erste Mitglieder aus dem Lippstädter SPD-Ortsverein mit der Willy-Brandt-Medaille ausgezeichnet.
Archiv-Bilder (2): Karl-Heinz Brülle

 Sport

Für den am Freitag, 24. April 1936, in Lippstadt geborenen und am Samstag, 20. Januar 2001, in Hemer nach schwerer Krankheit verstorbenen Franz-Josef Martin war sein Einsatz für das Sportgeschehen – insbesondere für den Fußball – eine weitere große Leidenschaft. Im April 1974 wurde er zum Schatzmeister von Teutonia Lippstadt mit seinen Abteilungen Fußball, Schwimmen, Badminton und Tischtennis gewählt. Dieses Amt bekleidete er mehr als 25 Jahre und erlebte in dieser Zeit den Wechsel von acht Vereinsvorsitzenden. Von 1986 bis 1987 übte er als Vorsitzender und Schatzmeister gleich zwei Funktionen bei den „Schwatten“ aus. Auch dem ersten Vorstand des 1997 gebildeten Fusionsvereins Spielverein Lippstadt 08 – hervorgegangen aus Borussia und Teutonia  – gehörte der Finanzfachmann als Schatzmeister an. Das die seit dem Jahr 1927 immer wieder diskutierte Verbindung der langjährigen Rivalen mit den „Roten“ vom Lipperbruchbaum und den „Schwarzen“ vom Waldschlößchen schließlich mit der Vereinigung der Fußballabteilungen von Borussia und Teutonia zum Start der Fußballsaison 1997/98 verwirklicht wurde, war auch ein Verdienst von Franz-Josef Martin. Es waren viele und keine einfachen Verhandlungen, die dem Ziel einer Zusammenführung des Fußballs der beiden in 1908 gegründeten Traditionsvereine dienten und bei den Teutonen stets von ihrem Schatzmeister befürwortet wurde.

Auszeichnungen

Das selbstlose Wirken von Franz-Josef Martin für den Sport wurde bei der Sportlerehrung im Jahr 2000 durch die Überreichung der Ehrenplakette der Stadt Lippstadt gewürdigt. Sein Einsatz für das Gemeinwesen und die Sozialdemokratie wurde im Herbst 1999 – gemeinsam mit seiner Ehefrau Erika Martin (1937-2011), die von 1978 bis zu ihrem Tod für die SPD-Fraktion im Lippstädter Rathaus in 2011 beruflich und über zwei Jahrzehnte als Schriftführerin der Sozialdemokraten in der Kernstadt von Lippstadt ehrenamtlich tätig war – mit der Übergabe der Willy-Brandt-Medaille ausgezeichnet.

Hans Zaremba