Es war ein beachtenswerter Seniorennachmittag, den der damalige SPD-Ortsverein in der Lippstädter Kernstadt am Samstag, 13. April 1996, im Rathaussaal ausrichtete. Dazu präsentierte die SPD vor 30 Jahren mit dem einstigen stellvertretenden Ministerpräsidenten und Landesminister in Nordrhein-Westfalen, Dr. Diether Posser (1922-2010), einen in Lippstadt durch mehrere Besuche bekannten Gast. Als Hobbyhistoriker hatte sich der in Essen lebende Sozialdemokrat mit den Lebensläufen und Schicksalen vieler vom Hitler-Regime bedrängter Künstler nachhaltig beschäftigt.
Seniorennachmittag mit Diether Posser in 1996

Im Interview mit dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) schilderte Diether Posser im Lippstädter Rathaus gegenüber Carmen Czarnetzki sein Engagement für die von den Nazis verfolgten Künstler. Mit dabei waren Hans Zaremba (links) und Karl-Heinz Brülle.
Worte am Pult und Musik am Piano
Der ehemalige Landespolitiker erinnerte am Vortragspult und Piano an das künstlerische Wirken etlicher von den Nazis verfolgter Komponisten, Textdichter und Schauspieler. So an Friedrich Holländer (1896-1976), Bruno Balz (1902-1988), Walter Jurmann (1903-1971), Werner Richard Heymann (1896-1961) und Viktor de Kowa (1904-1973). Sie hatten sich entgegen anderer regimetreuer Höflinge wie Leni Riefenstahl (1902-2003) und Veit Harlan (1899-1964) nicht von den braunen Diktatoren für deren Vorhaben vereinnahmen lassen.
Menschenrecht und Meinungsfreiheit
Viele der im April 1996 von Diether Posser am Klavier angespielten Lieder („Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“, „Das gibt`s nur einmal“ oder „Ich brech` die Herzen der stolzesten Frauen“) stammten überwiegend von Kunstschaffenden, die in strikter Opposition zur Diktatur der braunen Despoten standen. Der in Essen geborene und verstorbene Sozialdemokrat sprach in Lippstadt auch darüber, dass manche der systemkritischen oder jüdischen Künstler nur dank der mutigen Hilfe ihrer Kollegen die Zeit der Verfolgung überlebt hätten. Andere wie die Filmproduzenten, Regisseure und Drehbuchautoren Billy Wilder (1906-2002) und Robert Siodmak (1900-1973) konnten aus Deutschland fliehen, während nicht wenige von den Nazi-Schergen rücksichtlos ermordet wurden. Einer, der den Häschern der Gestapo zum Opfer fiel, war der Sohn eines ehrenamtlichen SPD-Funktionärs, der Journalist und Liedtexter Erich Knauf (1895-1944), bekannt durch seine Schlager „Glocken der Heimat“, „Mit Musik geht alles besser“ und „Heimat Deine Sterne“, wurde verhaftet und hingerichtet. Seine missbilligenden Äußerungen über die NS-Machthaber in einem Luftschutzkeller führten zum Todesurteil. Zum Schluss hob Diether Posser in Lippstadt hervor: „Es ist wichtig, dass man weiß, was für ein hohes Menschenrecht die Meinungsfreiheit ist. Und es ist notwendig, dass man immer wieder daran erinnert, wie das Unrechts-Regime der Nazis die Menschenrechte mit Füßen getreten hat.“

Unter den über 100 Besucherinnen und Besuchern des einzigartigen Nachmittages der SPD im Rathaus war auch der frühere Bundestagabgeordnete und langjährige Gewerkschaftssekretär Engelbert Sander (1929-2004), rechts Bild.
Archiv-Fotos (2): Sammlung Hans Zaremba
Zu Diether Posser und Lippstadt
Menschenrecht und Meinungsfreiheit
Viele der im April 1996 von Diether Posser am Klavier angespielten Lieder („Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“, „Das gibt`s nur einmal“ oder „Ich brech` die Herzen der stolzesten Frauen“) stammten überwiegend von Kunstschaffenden, die in strikter Opposition zur Diktatur der braunen Despoten standen. Der in Essen geborene und verstorbene Sozialdemokrat sprach in Lippstadt auch darüber, dass manche der systemkritischen oder jüdischen Künstler nur dank der mutigen Hilfe ihrer Kollegen die Zeit der Verfolgung überlebt hätten. Andere wie die Filmproduzenten, Regisseure und Drehbuchautoren Billy Wilder (1906-2002) und Robert Siodmak (1900-1973) konnten aus Deutschland fliehen, während nicht wenige von den Nazi-Schergen rücksichtlos ermordet wurden. Einer, der den Häschern der Gestapo zum Opfer fiel, war der Sohn eines ehrenamtlichen SPD-Funktionärs, der Journalist und Liedtexter Erich Knauf (1895-1944), bekannt durch seine Schlager „Glocken der Heimat“, „Mit Musik geht alles besser“ und „Heimat Deine Sterne“. Er wurde verhaftet und hingerichtet. Seine missbilligenden Äußerungen über die NS-Machthaber in einem Luftschutzkeller führten zum Todesurteil. Zum Schluss hob Diether Posser in Lippstadt hervor: „Es ist wichtig, dass man weiß, was für ein hohes Menschenrecht die Meinungsfreiheit ist. Und es ist notwendig, dass man immer wieder daran erinnert, wie das Unrechts-Regime der Nazis die Menschenrechte mit Füßen getreten hat.“
Zu Diether Posser und Lippstadt
Über Diether Posser sind drei Auftritte in Lippstadt verzeichnet. Seine erste Visite absolvierte er als Landesjustizministers im November 1977, als der Terror der sogenannten Roten Armee Fraktion mit den brutalen Tötungen von Generalbundesanwalt Siegfried Buback (1920-1977), dem Chef der Dresdner Bank, Jürgen Ponto (1923-1977) und des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer (1915-1977) und der Entführung des Lufthansa-Flugzeuges Landshut von Palma de Mallorca nach Mogadischu seinen grausamen Höhepunkt hatte. Aus dieser Veranstaltung überlieferte die Tageszeitung Der Patriot am 25. November1977 den Satz „Ich verspreche mir auch nichts von einer intensiven Überwachung der Gespräche zwischen Verteidiger und Mandanten, weil dadurch der Bürger beeinträchtigt würde.“ Die anderen Termine mit dem „Ruheständler“ Diether Posser waren die Treffen im Februar und April 1996, auf die Rote Lippe Rose in ihrer Print-Ausgabe vom 1. Mai 2026 zurückschaut. Von dem Mann aus Essen sind keine Skandale bekannt, kein Nachtreten gegen politische Gegner, keine Korruptionsvorwürfe, kein Missbrauch der Flugbereitschaft. Still und bescheiden zog er nach seinem Abschied von der Tagespolitik durch das Land, hielt Vorträge und spielte am Klavier, wie beim SPD-Seniorennachmittag.
Hans Zaremba


