Kritische Betrachtungen zur Kulturpolitik

Enttäuscht zeigte sich die Vorsitzende des Lippstädter Heimatbundes, Dr. Marlies Wigge, von den bisherigen Resultaten aus dem Bürgermeisterwechsel im letzten Jahr, als sie in der Jahreshauptversammlung ihren Rechenschaftsbericht darbot. „Diese Veränderung wurde begrüßt und mit vielen Erwartungen verknüpft, von denen nur ein Teil in der derzeitigen Kulturpolitik ihre Entsprechung und Erfüllung findet.“ Dabei schaute sie in ihrem Vortrag speziell auf die Entwicklungen um das Stadtmuseum.

Kritische Betrachtungen zur Kulturpolitik

Verantwortliche des Heimatbundes in 2026:
Nach den üblichen Regularien der Jahreshauptversammlung formierten sich die Verantwortlichen des Heimatbundes Lippstadt zum Gruppenbild im Rathaus: Von links Dr. Wolfgang Maron, Andree Scheidler, Rainer Liebersbach, Dr. Marlies Wigge, Karin Diedrich, Christoph Barnstorf-Laumanns und Josef Mackenberg.
Foto: Hans Zaremba

Ernüchterung

„Sparen als oberstes Ziel ist auch mit dem Wechsel an der Stadtspitze angesagt und Kultur als weicher Faktor wird zunehmend von Sparplänen betroffen sein und beschnitten werden“, erklärte die Vorsitzende in ihren Betrachtungen zur aktuellen kulturpolitischen Situation. Nach den Abläufen des letzten Jahres sei das „mehr als ernüchternd und diese Ernüchterung führt vielfach zum Missmut und dem Rückzug von Personen und Gruppen, die sich gerade in Sachen Museum bisher sehr engagiert hatten“. Die Rednerin fügte hinzu. „Wichtiger als das Wunder, das mit Millionen und extrem motiviertem Stadtrat nun die plötzliche Wende beschert und alles weitergehen lässt, ist es, realistisch zu prüfen, was noch geht, was wie geht und wer mit uns geht, kämpft und der Kultur eine Chance gibt.“ Der Heimatbund Lippstadt stehe in dieser Situation nicht allein da, auch die mit ihm streitenden Vereine – Verein der Freunde und Förderer des Stadtmuseums und Kulturrat – „müssen in einer indifferenten bis kulturfeindlichen Gemengelage ihre Ziele verfolgen und ihre Mitglieder motivieren und halten“.

Zeigte sich enttäuscht über die Resultate nach dem Bürgermeisterwechsel im letzten Jahr:
Bei der Jahreshauptversammlung des Lippstädter Heimatbundes fand die Vorsitzende Marlies Wigge viele kritische Worte zur gegenwärtigen örtlichen Kulturpolitik.
Foto: Karl-Heinz Tiemann

Lobbykultur

In der Lobbykultur der Stadt habe das Automobil in vielfacher Hinsicht eine herausragende Stellung. Die Zulieferer und damit auch Arbeitgeber für die Lippstädterinnen und Lippstädter würden, so Marlies Wigge, „geschätzt und berücksichtigt, ihre Produkte, die Autos, werden geradezu gehätschelt, denn der Park-Marktplatz ist der Gruppe der Lobbyisten viel rhetorischen Lärm wert“. Und die Heimatbundvorsitzende betonte: „Aber nur weil andere klappern, müssen und sollten wir nicht die Klappe halten und uns mit dem bescheiden, was zugestanden und zugewiesen wird. Wer nichts fordert, bekommt nichts, wussten schon früher kluge Köpfe und deshalb werden wir, die Befürworter von Museumsgestaltung und –erweiterung nicht stumm auf Aufmerksamkeit und Teilhabe warten“.

Erinnerung an das Gründungsjahr der Herbstwoche in 1926:
Programmpräsentation der damalige Wirtschaftsschau.
Quelle: Stadtarchiv Lippstadt.

Kirmeslichter

Das sollte der Heimatbund auch nicht, denn inzwischen sei die Stadt Lippstadt dabei, im Rahmen ihres Tourismuskonzepts eine Marke zu entwickeln. Damit nicht nur Shoppen und der Kaffee auf dem Rathausplatz nach der Anreise mit dem Rad oder dem Auto „Kernelemente sind, müssen wir dafür sorgen, dass auch sichtbar und erlebbar wird, welche kulturellen Angebote und Highlights Lippstadt hat“. Der Heimatbund müsse auch sicherstellen, zu den entsprechenden Beratungen überhaupt erst einmal eingeladen zu werden, da dürfe er nicht schüchtern sein. Über das Museum hinaus ging Marlies Wigge in ihrer Rede ebenso auf die herannahende Herbstwoche ein. Die Traditionsveranstaltung kann im Oktober auf 100 Jahre ihres Bestehens zurückblicken, was im Verlauf des Abends im Rathaus von Dr. Wolfgang Maron in einem ansprechenden und bebilderten Referat gewürdigt wurde. Der Heimatbund sei natürlich auch dabei und könne mit dem Knüpfen von Kontakten und der Recherche zu historischen Quellen und Exponaten seinen Teil zum Gelingen der Herbstwoche 2026 beitragen. Demnächst auch bei der Planung und Umsetzung der Ausstellung „Kirmeslichter“ in der Brüderkirche. Sie soll von Freitag, 9. Oktober, bis Freitag, 30. Oktober, Herbstwoche und Kirmes in der Zeit und im Verbund zeigen. Zugleich rief die Vorsitzende in der Jahreshauptversammlung die Anwesenden auf, „alte Schätzchen“, also Kirmesgewinne mit historischer Bedeutung, oder auch als Beschicker der Herbstwoche noch Teile ihres Standes und Programms haben, sie dem Heimatbund für die Darbietung im Oktober zu überlassen.

Bereitet ein Spurenheft zur Gesichte der Herbstwoche vor.:
Dr. Wolfgang Maron schaute mit seinem Referat im  Rathaussaal auf die seit 1926 währende Geschichte der Lippstädter Herbstwoche. Ebenso nahm der frühere Schulleiter der Wilhelmschule einen Überblick auf das in seiner redaktionellen Verantwortung entstehende Spurenheft des Heimatbundes zum Jubiläum der Herbstwoche vor.
Foto:: Karl-Heinz Tiemann

Spurenheft

Während Wolfgang Maron für das in seiner Regie entstehende Spurenheft zur Chronik der Herbstwoche Geschichten erfasst hat, sammeln das Stadtmuseum und der Heimatbund Objekte, die nach den Worten von Marlies Wigge, „die Herbstwoche früher und heute illustrieren und die vom Dachbodenschatz zum Ausstellungshighligth werden können“. Überdies werde der Heimatbund auch an dem in diesem Jahr stattfindenden Herbstwochenumzug mit einer Fußgruppe teilnehmen. 

Hans Zaremba