Seit Jahren werden fortwährend die Gefahrenstellen aufgezeigt, mit denen jene Kinder und Jugendliche konfrontiert werden, die für ihre Wege zu den Lippstädter Schulen Fahrräder nutzen. Obwohl verschiedene Vereinigungen in Lippstadt – vom ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) über das „FahrradNetzWerk“ bis zur SPD-Gruppe „Vorfahrt für`s Fahrrad“ – dieses erhöhte Sicherheitsrisiko in den politischen Gremien und Gesprächen mit den Verantwortlichen im Stadthaus in einer beharrlichen Regelmäßigkeit vortragen, ist für eine Abstellung der Problemlagen noch nicht viel geschehen. Auch der im letzten November erfolgte Wechsel im Bürgermeisteramt hat bislang wenig bewirkt, um den Radlerinnen und Radlern mehr Gehör zu verschaffen.
Sicherheitsrisiken für Radlerinnen und Radler

Gefahrenbereich in der Bastionsstraße, wo ein Schutzstreifen in südlicher Fahrtrichtung fehlt, was dieses Foto aus dem Archiv von Rote Lippe Rose dokumentiert.
Bastionsstraße
Eine besondere Herausforderung für die Schülerinnen und Schüler ist die Nutzung der Bastionstraße, wo sie wegen des fehlenden Schutzstreifens in südlicher Richtung und der dort parkenden Autos häufig in die Straßenmitte ausweichen müssen. Die Situation in diesem Bereich hat sich durch die weitgehende Fertigstellung des Baugebiets „Auf dem Rode“ zusätzlich verschlimmert, bemerkt Karl-Heinz Tiemann, Sprecher für „Vorfahrt für`s Fahrrad“. Auf einen ähnlichen Artikel zur Bastionstraße in der örtlichen Tageszeitung am Karsamstag, 4. April, ging dort ein Leserbrief von Gerd Pokraka, Mitglied im „FahrradnetzWerk“, ein, der von Rote Lippe Rose gleichfalls veröffentlicht wird. „Dieser Artikel zeigt sehr anschaulich, unter welch gefährlichen Bedingungen sich unsere Kinder allmorgendlich in Lippstadt auf dem Weg zur Schule befinden. Die Gefahrensituation auf den Parallelstraßen zum Beispiel dem Bruchbäumer Weg ist nicht weniger risikobehaftet. Das Bild ist immer das Gleiche: Die Straßen sind dafür angelegt, den Verkehr aus den nördlichen Wohngebieten, aus Cappel und auch Bad Waldliesborn möglichst ohne große Risiken in Richtung Innenstadt und zu den Schulen zu leiten. Hunderte von Kindern nutzen diese Wege und müssen sich an parkenden- und ein- und ausfahrenden Autos entlang manövrieren. Die Antworten auf die Anfrage bei den zuständigen Stellen der Stadt nach Abhilfe zeigen ein Bild der Ernüchterung und Ratlosigkeit: Neben Erklärungen verschiedener erfolgloser Maßnahmen aus der Vergangenheit, endet die Stellungnahme mit der einzigen Feststellung, dass schließlich die Parkplätze für Anwohner den Rahmen vorgeben. Platz für sichere Wege für unsere Rad fahrenden Kinder? Fehlanzeige! Für mich zeigt sich erneut das ernüchternde Bild, dass man in Lippstadt nach wie vor keinen anderen Weg kennt oder bereit ist zu denken, als erste Priorität über den rollenden und stehenden Autoverkehr zu befinden. Kinder, Ältere und Radfahrer allgemein haben leider nur eine untergeordnete Priorität.“

Gefahrenstelle in der Erwitter Straße, wo unter anderem Kinder aus dem Süden der Lippstädter Kernstadt in Höhe des hier bestehenden Möbelgeschäftes die Überquerung zur Landsberger Straße auf ihrem Weg zur Kopernikusschule nutzen.
Archiv-Fotos (2): Karl-Heinz Tiemann
Beschaffenheit
Ähnlich wie Mai 2023, wo die Wege der Schülerinnen und Schüler, zu den Bildungseinrichtungen im Norden (Evangelisches Gymnasium, Friedrichschule, Nikolaischule und Ostendorf-Gymnasium) auf der Agenda der von Karl-Heinz Tiemann vorbereiteten Inspektionstour standen, folgte im Juni 2024 im Süden eine ähnliche Bereisung im Süden der Lippstädter Kernstadt. Dabei begleiteten der Leiter der Conrad-Hansen-Musikschule, Michael Ressel, und der Chef des städtischen Fachdienstes Schule, Uwe Thiesmann, die SPD-Gruppe „Vorfahrt für`s Fahrrad“. Ebenso waren bei den von den Sozialdemokraten initiierten Unternehmungen mehrere Repräsentanten – von Lehrern bis zu Mitgliedern der Pflegeschaften der betroffenen Schulen – zugegen. Gleiches gilt für den ADFC und das „FahrradnetzWerk“, die mit von der Partie waren. Neben etlichen Gefahrenstellen bemängelten die teilnehmenden Personen dieser Exkursion ebenso die seit Jahren vorhandene schlechte Beschaffenheit der Radwege entlang der Südstraße.
Josefschule
Und noch etwas zur Tour durch den Süden vor den Sommerferien 2024: Bei diesem Termin monierte der Rektor der städtischen Gemeinschaftsgrundschule Josefschule, Jürgen Henke, den Zugang zur Schule über die Josefstraße „Für die Kinder ist es kaum möglich, die fahrenden Autos aus den drei Richtungen (Josefstraße, Görresstraße und Von-Stauffenberg-Straße) einzusehen.“ Überdies hätten die Verkehrsteilnehmer, die von der Von-Stauffenberg-Straße kommen, durch die in der Josefstraße parkenden Autos keine freie Sicht und müssten sich auf der Straße „vortasten“. Ähnlich verhalte es sich auch mit der Sichtweite vom Ausgang der Josefschule auf die Josefstraße bis zur Görresstraße.
Dokumentation
Unterdessen wurden die in diesem Artikel für Rote Lippe Rose aufgeführten Beispiele und eine Vielzahl weiterer Schwachstellen im weitgehend „löcherigen“ Lippstädter Radwegenetz in der Regie von Karl-Heinz Tiemann den Verantwortlichen im Lippstädter Stadthaus präsentiert. Ebenso wurden daraus etliche Punkte im Mai 2025 – somit noch in der Periode des Lippstädter Stadtrates für die Jahre 2020 bis 2025 – vom Umwelt-, Bau und Mobilitätsausschuss aufgegriffen. Doch grundlegende Resultate sind bislang kaum zu registrieren. Zu oft wurden von den Stellen im Stadthaus formale und rechtliche Vorbehalte angeführt, statt etwas mehr an Mut für einige Projekte zu wagen. Doch die „Lobbyisten“ der auch in Lippstadt zunehmenden Zahl von Nutzern der „Drahteseln“ werden nicht locker lassen. Dies wurde zuletzt im „FahrradNetzWerk“ einmal mehr unterstrichen.


