Gloria vor Verkauf nach Italien

Als im Februar 2006 bekannt wurde, dass bei der seit 1952 in Wadersloh verwurzelten Firma „Gloria“ von 395 Arbeitsplätzen 300 Stellen abgebaut werden sollten, war der Aufschrei in der münsterländischen Gemeinde groß. Der damalige Bürgermeister Theo Westhagemann (CDU) bezeichnete den Vorgang bei einer von über 1.000 Menschen besuchten Kundgebung auf der Schützenfestwiese im Dorfkern mit den Worten „Heuschrecken lassen kahl gefressene Felder zurück.“

Neuerliche Veränderungen in Wadersloh

Das abgebildete Verwaltungsgebäude von „Gloria“ wurde in 2002 errichtet, noch zu Zeiten, wo die Familie Schulte Frankenfeld das Wadersloher Unternehmen leitete.
Foto: Hans Zaremba

Industriegeschichte

Der Hintergrund der Proteste von vor 20 Jahren war die Verlagerung der Produktion des bereits in 2004 von der Inhaberfamilie Schulte-Frankenfeld an die internationale Firmen-Gruppe „Kidde“ veräußerten Betriebes für die Herstellung von Feuerlöschern in das polnische Ropczyce. Nun steht für das Wadersloher Traditionsunternehmen ein wiederholter Wechsel bevor. Der derzeitige Eigner, die multinationale Gesellschaft „Kidde“ mit Sitz in North Carolina in den USA, will das „EMEA“-Geschäft (Europa, Naher Osten und Afrika) für tragbare Feuerlöscher mit der weltweit bekannten Marke „Gloria“ an den italienischen Brandschutzkonzern „ANAF Fire Protection S.p.A“ abgeben. Dies soll nach Angaben der in Torre d`Isola in der Lombardei ansässigen Gesellschaft zum dritten Quartal 2026 erfolgen, sofern die kartellrechtlichen Vorgaben erfüllt werden. Welche Auswirkungen dieser erneute Verkauf von „Gloria“ für den Standort in Wadersloh haben wird, lässt sich derzeit noch nicht konkret beurteilen. Aktuell sollen bei „Gloria“ in Wadersloh 43 Angestellte (einschließlich Auszubildende) arbeiten. In den Jahren des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg war das vom in 1990er Jahren verstorbenen Firmenpatriarchen Heinrich Schulte-Frankenfeld ursprünglich 1945 in einem Gartenhaus in Gütersloh gegründete Unternehmen neben der Strumpfwarenfabrik Laufer (Konkurs 1972) und der Möbelfabrikation Paschen (Insolvenz 2016) für die Menschen in Wadersloh und dem Umland ein bevorzugter Arbeitgeber und Lehrlingsbetrieb. Durch die Ausweisung von neuen Gewerbeflächengebieten – zuletzt mit dem „Centraliapark“ – wurden von der Gemeinde Wadersloh etliche Initiativen unternommen, um den Verlust von Industriearbeitsplätzen bei „Gloria“, Laufer und Paschen auszugleichen.

Marktführer

Zurück zum dem Feuerlöscher-Unternehmen: Nach der Übersiedlung des Sitzes von Gütersloh nach Wadersloh entwickelte sich die an der Diestedder Straße errichtete Firma zu einem der Marktführer für die Produktion und den Vertrieb von Brandschutzgeräten. Die anfängliche Produktpalette von Handfeuerlöschern erweiterte sich bis zu hochwertigen Einsatzfahrzeugen für den Brandschutz. Nach der in 2004 erfolgte Übernahme von „Gloria“ durch die „Kidde“-Gruppe wurde die lange parallel und in Marienfeld geführte  Produktionssparte von Pflanzenschutzgeräten aufgegeben. Unterdessen kann das Unternehmen auf über 80 Jahre seines Bestehens zurückblicken. Medienberichten zufolge sollen in Polen für „Gloria“ 300 Menschen arbeiten und nach dem Bundesanzeiger wurde in 2021 der Umsatz auf gut 50 Millionen Euro beziffert.

Hans Zaremba