Geschichte der Herbstwoche

Wenn im Oktober die Lippstädter Herbstwoche auf ihre erste Auflage vor einhundert Jahren zurückschaut, dann wird auch der nächste Band der „Lippstädter Spuren“ aus der Schriftenreihe des Heimatbundes Lippstadt vorliegen. Eine Veröffentlichung, die derzeit in der Verantwortung von Dr. Wolfgang Maron, Historiker und pensionierter Schulleiter, vorbereitet wird. Mit ihr sollen Anekdoten, Geschichten, Fotos und Spuren dessen, was die Herbstwoche in dieser langen Zeit ausmachte, präsentiert werden.

Neue Ausgabe der Lippstädter Spuren in Vorbereitung

Programmübersicht der ersten Herbstwoche im Jahr 1926:
Quelle Tageszeitung Der Patriot

Einblick von Wolfgang Maron

Anlässlich der Jahreshauptversammlung des Lippstädter Heimatbundes im April vermittelte Wolfgang Maron einen Blick in das in seiner Regie entstehende bebilderte Werk. Zugleich erinnerte der Verfasser von mehreren historischen Schriften an die ursprüngliche Entstehungsgeschichte der Herbstwoche als Werbewoche für die Anpreisung von Produkten und Waren in Lippstadt. Zudem schaute er auf die Rolle von Gottfried Holle (1878-1950), der als damaliger Bürgermeister einer der maßgeblichen Initiatoren der Herbstwoche in 1926 war. Der Charakter der Herbstwoche vor einem Jahrhundert war nach den Ausführungen des einstigen Rektors der Wilhelmschule zu jener Zeit auch bei vergleichbaren Terminen in der heimischen Region anzutreffen. In der Gegenwart wartet die benachbarte Stadt Delbrück im September zum Katharinenmarkt jährlich mit einer Wirtschafts- und Verkehrsschau auf.

Schirmherren

Schirmherren Zurück zur Geschichte der Herbstwoche: Über viele Jahre war es eine Tradition, für die Herbstwoche einen prominenten Schirmherrn zu gewinnen. Häufig waren es Spitzenpolitiker unterschiedlicher Couleur. Einer von ihnen war im Oktober 1985 das Urgestein der SPD, Hans-Jürgen Wischnewski (1922-2005), worüber Rote Lippe Rose in der Print-Ausgabe 11/2025 berichtete.

Lippstadt am Samstag, 19. Oktober 1985:
Zum Empfang des Schirmherrn der Herbstwoche in 1985, Hans-Jürgen Wischnewski, links neben dem damaligen ehrenamtlichen Bürgermeister Franz Klocke (1937-2023), waren etliche Gäste aus dem Stadttheater mit in das Rathaus gekommen. Unter anderem die Lippstädter Sozialdemokraten mit den seinerzeitigen Abgeordneten im Düsseldorfer Landesparlament, Karl Heinz Brülle, und im Bonner Bundestag, Engelbert Sander (1929-2004).
Archiv-Foto: Stadt Lippstadt

Von Gerhard Schröder (CDU) bis zu Georg Leber (SPD)

Vor Hans-Jürgen Wischnewski waren aus der SPD in 1967 der von 1966 bis 1978 amtierende Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, Heinz Kühn (1912-1992), 1973 der Bundesminister der Verteidigung, Georg Leber (1920-2012), 1976 die Präsidentin des Deutschen Bundestages, Annemarie Renger (1919-2008), und 1979 Johannes Rau (1931-2006), der von 1978 bis 1998 als Regierungschef das Land zwischen und Rhein und Weser repräsentierte, als bedeutender Beistand zur Eröffnung der Herbstwoche an die Lippe gekommen. Einer der CDU-Politiker als Begleiter der Herbstwoche war am Samstag, 18. Oktober 1969, der Verteidigungsminister Gerhard Schröder (1910-1989). Sein Besuch erfolgte drei Tage vor dem Kanzlerwechsel des von der CDU gestellten Kurt Georg Kiesinger (1904-1988) auf den SPD-Politiker Willy Brandt (1913-1992). Beim Besuch von Gerhard Schröder in Lippstadt stand somit gleichfalls die Amtsübergabe seines Ressorts an den designierten Nachfolger aus der SPD, Helmut Schmidt (1918-2015), bevor. Übrigens: Gerhard Schröder aus der CDU ist nicht mit seinem Namensvetter und SPD-Politiker Gerhard Schröder, Kanzler von 1998 bis 2025, zu verwechseln. Lediglich die Identität ihres Namens verbindet sie. Die Liste mit den aus der Politik entsandten Schirmherren beinhaltet weitere bekannte Persönlichkeiten. Doch derweil ist dieses Herbstwochen-Ritual Geschichte.

Umzüge mit Jakob Koenen und Barbara Christ

Zum Brauch der Lippstädter Kirmeswoche zählte auch lange der Herbstwochenumzug durch die Innenstadt, über viele Jahre verkörpert vom Bürgermeister Jakob Koenen (1907-1974) aus der SPD und später von seiner CDU-Nachfolgerin Dr. Barbara Christ (1920-2017). Der vorerst letzte von den Organisatoren sowie vom Publikum breit angenommene Festzug durch die City fand am Samstag, 23. Oktober 2010, statt. Viele gut gelaunte Fußgruppen, gefällig gestaltete Wagen und stimmungsvolle Musikensembles bestimmten zum 825jährigen Stadtjubiläum den Verlauf. Dabei war vor 16 Jahren auch eine Gruppe von Anhängerinnen und Sympathisanten von Borussia Dortmund aus dem örtlichen BVB-Fanclub e.V., bekannt mit dem Namen „Optimisten“. Die mitgebrachten schwarz-gelben Fahnen mit der Lipperose als örtliches Merkmal waren von den Zuschauerinnen und Zuschauern nicht zu übersehen. Nun soll es in 2026 eine Neuauflage des Umzuges geben, wozu unter anderem auch die BVB-Freundinnen und Freunde aus Lippstadt wiederum ihre Teilnahme angemeldet haben.

Hans Zaremba