Das kommunalpolitische Thema der Woche war die Debatte und der Beschluss des Lippstädter Stadtrates zur Therme in Bad Waldliesborn. Doch das am Dienstagabend in der letzten Ratssitzung vor den Sommerferien gefasste Votum war nicht mehr als die Vertagung eines Problems, das die lokale Politik spätestens seit der am 30. September 2023 aus Sicherheitsgründen vorgenommenen Schließung des Solebades im Kurort verstärkt beschäftigt. Die Befürworter einer neuen Therme – CDU, Bündnis 90/Die Grünen, AfD und Bürgergemeinschaft – haben durch den erteilten Planungsauftrag an die Stadtwerke Lippstadt zwar Zeit gewonnen, ein Ersatzbau für das marode Solebad ist weiterhin nicht sichtbar. Womöglich wird das Vorhaben an den enormen Kosten – derzeit ist von 30 Millionen Euro die Rede – scheitern. Die Skeptiker – neben dem überwiegenden Teil der SPD-Fraktion, die FDP/CDL-Vereinigung und Linksfraktion sind dies auch der Bürgermeister und der Stadtkämmerer – befürchten ein finanzielles Fiasko. Insbesondere das Abrutschen von Lippstadt in die pflichtige Haushaltssicherung. Somit werden sich die Mitglieder des Stadtrates in etwa einem Jahr erneut mit dem Therme-Thema auseinandersetzten zu haben, wenn die mit 600.000 Euro bezifferte Konzeption von der Stadtwerke Lippstadt GmbH den kommunalen Entscheidungsträgern präsentiert wird.
Wochenrückblick von Hans Zaremba

Diese Aufnahme ist vier Tage vor der Ratssitzung zur Zukunft des Heilbades entstanden.
Foto: Hans Zaremba
Erwartungen
Es ist in der Bundespolitik ein langer Brauch: Die jährliche Sommer-Pressekonferenz der Bundeskanzlerin (von 2006 bis 2021 mit Angela Merkel) und des Bundeskanzlers (in 2026 zum zweiten Mal mit Friedrich Merz). In ihr versuchte, am Mittwochmittag von 13.00 bis 14.30 Uhr in Berlin der aktuelle Regierungschef Optimismus zu verbreiten, ohne zu große Erwartungen zu wecken. Aus den Worten des in Arnsberg beheimateten und von der CDU gestellten Kanzlers war zu entnehmen, dass sich die Bundesregierung auf einem guten Weg befinde, gleichzeitig sei das noch lange nicht ausreichend. Die Koalition aus den Unionsparteien und Sozialdemokraten habe Tritt gefasst, zufrieden könne man aber noch nicht sein. Bei dem Termin in der Bundeshauptstadt blieb der häufig impulsive CDU-Vorsitzende kontrolliert und vorsichtig in seinen Auskünften. Während sich der Vormann der Regierung den Fragen der Journalisten stellte, war bis zu diesem Wochenrückblick von den drei Abgeordneten aus dem heimischen Wahlkreis Soest zur aktuellen politischen Lage kaum etwas zu registrieren.
Doppelmoral
Eine Leihmutter stellt ihren Körper für das Austragen eines Kindes zur Verfügung und wird dafür in der Regel bezahlt. Für die CDU kommt dies nicht in Betracht, was ihr als konservative Regierungspartei wichtig ist. Noch im Februar 2026 hoben die Christdemokraten diese Position durch einen Parteitags-Beschluss hervor. Auch Jens Spahn, Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, war auf dem Treffen in Stuttgart anwesend. Privat soll er sich da längst entschieden haben, mit seinem in 2017 geheirateten Ehemann Daniel Funke ein Baby zu bekommen. Die in den USA engagierte Leihmutter soll zum Zeitpunkt des CDU-Kongresses bereits schwanger gewesen sein. In den USA ist Leihmutterschaft nicht verboten. Und in Kalifornien beispielsweise ist es für gleichgeschlechtliche Paare unproblematisch und rechtssicher möglich, auf diesem Weg Eltern zu werden. Nun wurde bekannt, dass der CDU/CSU-Fraktionschef über diesen Weg der Vater eines Sohnes mit dem Namen Georg ist. Folglich rumort es in der CDU. Dass bei dieser Doppelmoral Forderungen nach einem Rücktritt des dem katholisch geprägten Münsterland stammenden CDU-Mannes erhoben wurden, überrascht nicht sonderlich. Womöglich wird das Thema über die gesamte politische Sommerpause viele Zeilen in den Zeitungen füllen. Für die Glaubwürdigkeit der Politik wiederum eine Belastung.
Endspiel
Am morgigen Sonntag, 19. Juli, endet in New York mit dem Finale zwischen Argentinien und Spanien die mit 48 teilnehmenden Nationalauswahlen in der Geschichte des Weltfußballverbandes Fifa (Fédération Internationale de Football Association) bislang wohl umfangreichste Weltmeisterschaft. Noch bevor der Anstoß der Begegnungen mit den Teams aus Südamerika und Europa erfolgt ist, wurden bereits Stimmen laut, das alle vier Jahre stattfindende Turnier in 2030 nochmals um 16 Teams auszuweiten. Der Fifa-Boss Giovanni Vinzenzo Infantino scheint mit seinem Hang zum Gigantismus kaum zu bremsen zu sein.
Hinweis
Diese Zeilen wurden am Samstag, 18. Juli 2026, 11.45 Uhr, veröffentlicht.


