Nach 104 Partien und einer Dauer von 39 Tagen endete am letzten Sonntag die 23. Weltmeisterschaft (WM) im Fußball und das gigantischste Turnier in der seit 1930 währenden WM-Geschichte. Im Finale holte sich Spanien gegen Argentinien mit 1:0 den Titel. Die meisten Beobachter waren sich nach den 120 Minuten im Stadion von New York einig, dass der amtierende Europameister von der iberischen Halbinsel ein verdienter Titelträger des von der Fifa (Fédération Internationale de Football Association) ausgerichteten Wettbewerbs ist. Übrigens: Mit dem spanischen Triumph wurde die Mutmaßung des Vereinspräsidenten von Borussia Dortmund, Hans-Joachim Watzke, aus dem März im Lippstädter Stadttheater bestätigt, als er in einer öffentlichen Veranstaltung die Mannschaft aus Spanien auf der ersten Rangstufe sah.
Anmerkungen zur WM von Hans Zaremba

Hans Zaremba, Beobachter des Fußballgeschehens in Lippstadt und darüber hinaus.
Entrüstung
Über den Sport hinaus – einschließlich des spektakulären Kampfs um die „bronzene Ananas“ und den dritten Platz mit dem 6:4 von England gegen Frankreich – bleibt von diesem Turnier ein herber politischer Beigeschmack zurück. Er wird von zwei ziemlich besten Freunden verkörpert: US-Präsident Donald John Trump und Fifa-Präsident Giovanni Vincenzo Infantino. Vor allem ist die Intervention aus dem Weißen Haus in Erinnerung, um die Rotsperre für den Nationalspieler der USA, Folarin Balogun, gegen Belgien aufzuheben. Ein unverzeihlicher Regelverstoß, der vom ohnehin umstrittenen Boss der Fifa befürwortet sein soll. Eine Welle der Entrüstung ging um die Welt, auch viele Fans des US-Teams konnten sich über das unerwartete Geschenk nicht freuen. Und der amerikanischen Auswahl hat es augenscheinlich nicht geholfen, was ihr Resultat im Achtelfinale von 1:4 dokumentiert.
Aufgeladen
Dass sich Sport und Politik niemals völlig trennen lassen werden, zeigte die WM über die mögliche Einflussnahme des US-Staatschefs hinaus. Das Halbfinale zwischen England und Argentinien war historisch aufgeladen wegen des Kriegs um das britische Überseegebiet Falklandinseln beziehungsweise der Malwinen aus dem Jahr 1982. Das 2:1 der Südamerikaner über die von Thomas Tuchel betreuten The Three Lions feierten die argentinischen Männer mit einem Banner, das den Besitzanspruch ihrer Nation auf die Inselgruppe plakatierte. Der politische Spielball des Turniers gänzlich war die Mannschaft aus dem Iran. Der Krieg eines WM-Gastgebers gegen einen WM-Teilnehmer war eine beispiellose Lage für die Fifa. Sie musste um den korrekten Fortgang ihrer Veranstaltung fürchten, weil die Einreise und die zeitlichen Abläufe rund um die Iran-Spiele ständig Fragen aufwarfen, während Trump vorläufige Friedensabkommen verkündete und zurücknahm.
Beschämend
Eine große Enttäuschung war nach 2018 (Russland) und 2022 (Katar) nun in 2026 das zum dritten Mal in Folge vorzeitige Aus der vom DFB (Deutscher Fußball-Bund) aufgebotenen Auswahl. Nach ihrer beschämenden Schlappe mit dem Elfmeter-Duell im Achtfinale gegen Paraguay war auch das Ende von Julian Nagelsmann als ihr Chefbeteuer besiegelt. Es war wohl eine der größten Fehlentscheidungen des DFB, nach der Trennung von Hansi Flick den offenbar überschätzten und bei den Bayern im März 2023 geschassten Sportlehrer bereits im September 2023 die Verantwortung als Bundestrainer zu übertragen. Deutliche Worte über den 2016 in Hoffenheim als Oberhaus-Coach gestarteten Mann fand am Finaltag im „Doppelpass“ bei „Sport 1“ Felix Magath, einst wirksamer Impresario in München und Wolfsburg: „Er war völlig überfordert. Deshalb ist in den drei Jahren mit ihm nichts vorwärts gegangen.“ Und mit Blick auf den potentiellen Nachfolger Jürgen Klopp, meinte der vormalige Ligaprofi des Hamburger SV: „Auf jeden Fall wird die Stimmung eine andere sein.“ Der frühere Liverpool-Manager sei „sehr kommunikativ. Das ist ja das, was Julian nicht war.“


