Lediglich ein Planungsauftrag – mehr jedoch nicht

Vor Jahresfrist war in Bad Waldliesborn vor den Wahlen des Stadtrates und des Bürgermeisters der Spruch „Wer eine neue Therme will, muss CDU wählen“ zu vernehmen. Vorausgegangen war die Erklärung der SPD, dass für sie ohne Findung eines privaten Investors kein Therme-Neubau im Heilbad in Betracht komme. Eine klare Ansage, mit der die SPD ihre ohnehin dürftigen Chancen in Bad Waldliesborn bei den Kommunalwahlen im September 2025 zusätzlich reduziert haben dürfte. Nun hat am Dienstag, 14. Juli 2026, in der letzten Sitzung vor den Sommerferien, der Lippstädter Stadtrat mit 38 Stimmen aus den Fraktionen von CDU, Bündnis 90/Die Grünen, AfD und Bürgergemeinschaft die Stadtwerke beauftragt, eine Therme mit einem maximalen Investitionsvolumen von 30 Millionen Euro zu planen. Und für die Erstellung des Entwurfs wurden rund 600.000 Euro veranschlagt. Gegen diesen Beschluss waren 20 Voten zu notieren. Mit Nein stimmten der im September 2025 im Stichentscheid gegen seinen Vorgänger aus der CDU ins Amt gekommene parteilose Bürgermeister Alexander Tschense, der überwiegende Teil der Sozialdemokraten, die FDP/CDL-Vereinigung sowie die Fraktion der Linkspartei.

Ratsbeschluss zur Therme am Dienstag, 14. Juli 2026

Bad Waldliesborn am Donnerstag, 29. September 2022:
An diesem Tag war die Arbeitsgemeinschaft 60plus in der SPD im Therapiezentrum des Kurortes zu Gast. Dabei erläuterte Marc Hentschke, Teamleiter der Walibo-Therme (vorne), die damals schon länger offenkundigen Probleme des Sole-Bades. Ein Jahr später – am 30. September 2023 – wurde aus Gründen der Sicherheit der Betrieb die gut angenommene Einrichtung bis auf weiteres geschlossen. Zuletzt war die Therme in der Ratssitzung am Tag nach dem Schützenfest in Walibo ein Thema der Kommunalpolitik.
Archiv-Foto: Hans Zaremba

Vertagung

Die örtliche Tageszeitung Der Patriot kommentierte die nach einer knapp zweistündigen Debatte vom Lippstädter Stadtrat gefasste Entscheidung vom 14. Juli in ihrer Ausgabe für Donnerstag, 16. Juli 2026, mit folgenden zutreffenden Anmerkungen: Der Rat hat entschieden. Oder vielleicht doch nicht? Ja, die nächste Planungsstufe für die Walibo-Therme ist beschlossen. Doch die eigentliche Entscheidung wurde erneut vertagt. Seit fast vier Jahren dreht sich die Debatte im Kreis. Machbarkeitsstudie. Gutachten. Gescheiterte Investorensuche. Neue Varianten. Jetzt Finanzierungskonzepte. Betriebsmodelle. Wieder Zeit. Wieder Geld. Natürlich braucht eine Stadt für eine Investition dieser Größenordnung belastbare Zahlen. Zu Baukosten. Zu Wasserflächen. Zu Besucherzahlen. Zu Eintrittspreisen. Zu Folgekosten.

Bad Waldliesborn am Dienstag, 21. Februar 2019:
Gruppenbild mit den Akteuren des an diesem Abend von den Sozialdemokraten durchgeführten Forums zum Gesundheitstourismus. Von links Ute Strathaus und Mathias Marx (SPD), Hans-Joachim Bädorf, der als Geschäftsführer des Heilbäderverbandes in Nordrhein-Westfalen und in dieser öffentlichen Veranstaltung seine Meinung zur Therme als unerlässlichen Bestandteil für den Erhalt des Heilbad-Status von Bad Waldliesborn unterstrich, sowie Gerhard Schulze, Geschäftsführer der damaligen Touristik und Marketing GmbH in Bad Waldliesborn, die inzwischen mit der KWL (Kultur und Werbung Lippstadt GmbH) fusioniert hat.
Archiv-Foto: Karl-Heinz Tiemann

Fragen

Für den Beobachter der Szene im Heilbad in den vergangenen 50 Jahren stellt sich die Frage, warum die Verantwortlichen des Kur- und Verkehrsvereins Bad Waldliesborn nicht wesentlich zeitiger aufgetreten sind, um das Therme-Angebot in Walibo zu erhalten. Dass die von den Bürgerinnen und Bürgern aus Lippstadt und vielen Gästen außerhalb des 1975 in das Lippstädter Stadtgebiet eingegliederten Ortsteils im Dreieck der Regierungsbezirke Arnsberg, Detmold und Münster gut angenommene Sole-Therme deutlich früher als vor ihrer endgültigen Schließung im Oktober 2023 marode war, lag auf der Hand. Das dokumentierte zuvor die Aufgabe eines Schwimmbeckens und bestätigte in bemerkenswerter Offenheit beim Besuch der SPD-Seniorinnen und Senioren des Therapiezentrums im September 2022 der Teamleiter der örtlichen Therme, Marc Hentschke. Doch derartige Alarmsignale wurden offenkundig in Bad Waldliesborn überhört. Ob allerdings der mit dem in der Juli-Sitzung in 2026 des Stadtrates gleichfalls einstimmig für insgesamt 2,7 Millionen Euro beschlossene Bau eines Gradierwerks sowie eines Inhalatoriums den Heilbad-Status für Bad Waldliesborn ohne eine Therme dauerhaft sichern kann, ist ungewiss. Bereits im Februar 2019 hatte Hans-Joachim Bädorf, Geschäftsführer des Heilbäderverbandes in Nordrhein-Westfalen in einer öffentlichen SPD-Versammlung zu den Perspektiven von Bad Waldliesborn für den Gesundheitstourismus erklärt, dass er die Fortführung der damals noch betriebenen Therme als unerlässlichen Bestandteil der Angebote für die zum Kuraufenthalt nach Bad Waldliesborn zu holenden Besucherinnen und Besucher betrachte. Eine Position, die vom sogenannten Bäderpapst auch bei seinen anderen Terminen im Kurort zu vernehmen war.

Hinweis

Dieser Beitrag wurde für die Print-Ausgabe 8/2026 von Rote Lippe Rose erstellt und erscheint vorab im Internet.