Als am Samstag, 19. März 1966, in Wadersloh 18 junge Damen und 18 junge Herren ihre Schulzeit beendeten und als Lehrlinge, so wurden damals die Auszubildenden benannt, den Schritt ins Berufsleben antraten, war ihr Heimatort noch eine kleine Landgemeinde mit gerade mal 5.000 Bürgerinnen und Bürger. Daran und an weitere Ereignisse aus ihrer Zeit in der Katholischen Volksschule in Wadersloh erinnerten sich jene heutigen Rentnerinnen und Rentner, die sich zum Klassentreffen im Liesborner Ludgerushaus versammelt hatten.
Klassentreffen von einstigen Volksschülern

Foto: Hans-Gerd Westkemper
Museum in der Abtei Liesborn
Neben dem Austausch über ihre gemeinsamen acht Jahre auf den Schulbänken im Schatten der Pfarrkirche St. Margareta bestimmte die von Bernd-Peter Kerkemeyer begleitete Führung durch das vom Kreis Warendorf unterhaltende Museum Abtei Liesborn einen Teil des kurzweilen Programms. Dabei blickte das Vorstandsmitglied des Liesborner Heimatsvereins auf die Frühgeschichte der Abtei als freiweltliches Damenstift im Wadersloher Nachbarort. An diese Phase der Klostergeschichte sind kaum noch Hinweise zu finden. Das Highlight des seit 1966 bestehenden Museums, bis Ende 1974 in Regie des vormaligen Kreises Beckum und infolge der Gebietsneuordnung von 1975 in Verantwortung des heutigen Kreises Warendorf, ist zweifellos das Liesborner Evangeliar. Folglich ein Schwerpunkt der Informationen des engagierten Heimatfreundes und Verfassers von Aufsätzen zur Geschichte des Liesedorfes. Kerkemeyer stellte heraus, dass mit der Unterstützung zahlreicher Förderer das Evangeliar in 2017 vom Kreis Warendorf zurück erworben wurde, 220 Jahre nach dem Ende des Klosters Liesborn in 2023 an seinen ursprünglichen Bestimmungsort zurückkehrte und nun das Leitobjekt der Dauerausstellung zur Frühgeschichte der Abtei Liesborn bildet.
Rasante Entwicklung in Wadersloh
Und in Wadersloh bei einem Abendessen in der Traditionsgaststätte Berlinghoff rückten Reminiszenzen zur Entwicklung des dörflich geprägten Ortes der 1960er Jahre zum Zentrum der heutigen Großgemeinde im südöstlichen Teil des Münsterlandes mit ihren knapp 13.000 Einwohnerinnen und Einwohner in den Fokus des Klassentreffens. Vom alten Wadersloh in 1966 mit dem damals noch im Ehrenamt tätigen Bürgermeister Josef Kottenbrock (1898-1972) bis zur heutigen Kommune mit dem hauptamtlichen Bürgermeister Christian Thegelkamp. Insbesondere die inzwischen außerhalb von Wadersloh beheimateten ehemaligen Schülerinnen und Schüler waren von der rasanten Entfaltung mit der Vielzahl in den letzten 60 Jahren geschaffenen Baugebiete angetan. Gab es in 1966 neben der katholischen sowie evangelischen Volksschule im Dorfzentrum und den Kleinstschulen in den Bauerschaften Basel, Bornefeld, Geist und Vahlhaus noch die Realschule und das Gymnasium Johanneum, besteht sechs Jahrzehnte später das örtliche Bildungsangebot aus den Grundschulen in den drei Ortsteilen Diestedde, Liesborn und Wadersloh sowie der Sekundarschule und dem Johanneum im Zentralort. Übrigens: Die 1966 aus der Schule entlassenen Jahrgänge 1951 und 1952 waren die letzten Eleven, für die nach acht Jahren die Arbeitswelt bevorstand. Erst die im Dezember 1966 ins Amt gekommene Landesregierung von SPD und FDP mit dem Ministerpräsidenten Heinz Kühn (1912-1992) aus der Sozialdemokratie hob die bis dahin noch strikte Trennung von evangelischen und katholischen Schülerinnen und Schülern auf, beendete zudem die Existenz der kleinen Bauerschaftsschulen und verlängerte die Schulzeit stufenweise auf neun und zehn Jahre.


