Machbarkeitsstudie wird erwartet

Über Siegfried Müller, Geschäftsführer der Stadtwerke Lippstadt GmbH, ist bekannt, dass er gewiss kein glühender Anhänger für den Neubau einer Sole-Therme in Bad Waldliesborn ist. Folglich bezeichnete er bei der jüngsten Mitgliederversammlung der Lippstädter SPD das Vorhaben als eine große finanzielle Herausforderung, die erhebliche Investitionen erfordere. Zugleich stehe das von ihm gelenkte Unternehmen der Versorgungswirtschaft im harten Wettbewerb mit den großen Anbietern der Szene.

Siegfried Müller bei der SPD

Lippstadt am Donnerstag, 24. September 2026 (I):
In der SPD-Mitgliederversammlung informierte Siegfried Müller über die Aufgaben der von ihm geleiteten Stadtwerke Lippstadt GmbH.

Ohne Neubau keine Therme

Wenn diese Ausgabe von Rote Lippe Rose erscheint, sind bereits drei Jahre vergangen, dass die Sole-Therme im Lippstädter Kurort ihre Türen geschlossen hat. Bereits im Herbst 2022, als die SPD-Arbeitsgemeinschaft 60plus die Waliboer Einrichtung in Augenschein nahm, war diese Entwicklung abzusehen. Für den damaligen Begleiter der Lippstädter Seniorinnen und Senioren der SPD, Marc Hentschke, stand ohne Umschweife fest, dass für ein langfristig gesichertes Thermalbad Angebot in Bad Waldliesborn nur ein Neubau in Betracht kommt. Eine Instandsetzung des in 1972 errichteten Bades mit der veralteten Technik würde nach seiner Meinung doppelt so teuer. Ein Sachstand, der auch vielen anderen Verantwortlichen in der lokalen Politik und Verwaltung – ebenso dem Chef der Stadtwerke in Lippstadt – nicht verborgen geblieben war und in mehreren öffentlichen Veranstaltungen aufgegriffen wurde. Nach der gescheiterten Suche eines privaten Investors für den Bau eines neuen Sole-Bades beauftragte der Lippstädter Stadtrat in seiner letzten Sitzung vor den Sommerferien 2026 mit 38 Stimmen aus den Fraktionen von CDU, Bündnis 90/Die Grünen, AfD und Bürgergemeinschaft die Stadtwerke Lippstadt, eine Therme mit einem maximalen Investitionsvolumen von 30 Millionen Euro zu planen. Für die Erstellung des Entwurfs wurden rund 600.000 Euro veranschlagt. Gegen diesen Beschluss waren im Juli 2026 20 Stimmen zu notieren. Mit Nein votierten der im September 2025 im Stichentscheid gegen seinen Vorgänger aus der CDU ins Amt gekommene parteilose Bürgermeister Alexander Tschense, der überwiegende Teil der Sozialdemokraten, die FDP/CDL-Vereinigung sowie die aus drei Personen bestehende Fraktion der Linkspartei.

300 Quadratmeter als Minimum

Unterdessen haben die Stadtwerke nach Abstimmung mit dem Ratsvorsitzenden und Chef der Verwaltung im Stadthaus zwei Aufträge für die vom Stadtrat beschlossene Machbarkeitsstudie vergeben. Dazu war am Samstag, 26. September 2026, aus der örtlichen Tageszeitung von Siegfried Müller zu vernehmen: Mehr als 300 Quadratmeter werden finanziell nicht darstellbar sein. Die alte Therme hatte rund 1.200 Quadratmeter.

Lippstadt am Donnerstag, 24. September 2026 (II):
Momentaufnahme während der SPD-Zusammenkunft mit dem Geschäftsführer der Stadtwerke Lippstadt GmbH, Siegfried Müller.
Fotos (2): Karl-Heinz Tiemann

Ermittlung möglicher Besucherzahlen

Zudem solle eine Potenzialanalyse die künftig zu erwartenden Besucherzahlen sowie den Bedarf an Sauna- und Wellnessangeboten ermitteln, um das wirtschaftliche Risiko möglichst gering zu halten. Nach den Worten von Siegfried Müller beim Treffen der SPD gebe es in Deutschland kaum eine Therme, die wirtschaftlich betrieben werde. Er stellte beispielhaft eine langfristige Rechnung auf, nach der sich über einen Zeitraum von 30 Jahren ein Verlust in Höhe des Dreifachen der Investitionssumme ergeben könnte. Bei einer Investition von 30 Millionen Euro würde dies einer möglichen Einbuße von rund 90 Millionen Euro entsprechen. Für den Geschäftsführer der Stadtwerke ist die derzeit im Stadtrat diskutierte Form der Therme kein geeignetes Betätigungsfeld des von ihm geleiteten Unternehmens. Überdies ergebe das Vorhaben keinen wirtschaftlichen Sinn. Unabhängig von den Einschätzungen des schlagfertigen Mannes der Versorgungswirtschaft bleibt die Frage unbeantwortet, was aus dem Kurortstatus von Bad Waldliesborn wird, wenn es in absehbarer Zeit zu keinem Neubau einer Therme kommen sollte. Vielen sind noch die Worte von Hans-Joachim Bädorf als Geschäftsführer des Heilbäderverbandes in Nordrhein-Westfalen in der SPD-Bürgerversammlung am 21. Februar 2019 in Erinnerung, nachdem er eine Sole-Therme als einen unerlässlichen Bestandteil der Angebote für die für einen Aufenthalt nach Bad Waldliesborn zu holenden Gäste halte. Indessen unterstrich Siegfried Müller bei der SPD am 24. September 2026, dass die Stadtwerke in erster Linie für die Energieversorgung in Lippstadt zuständig seien. Sauna, Wellness und Gesundheitsangebote gehörten nicht zu den eigentlichen Aufgaben der in der Bunsenstraße ansässigen GmbH.

Wärmepumpen und Gasversorgung

Zur örtlichen Energieversorgung durch die Stadtwerke führte ihr Geschäftsführer unter anderem aus. Den zukünftigen Anteil der Wärmepumpen in Lippstadt schätze er auf rund 95 Prozent. Der Ausstieg aus dem Gasnetz sei für das Jahr 2044 vorgesehen. Gegenwärtig gebe es in Lippstadt rund 13.000 Hausanschlüsse. Diese müssten in den kommenden acht Jahren schrittweise außer Betrieb genommen und beispielsweise durch Wärmepumpen ersetzt werden. Eine Versorgung der Lippstädter Haushalte mit Wasserstoff hält Siegfried Müller nicht für realistisch. Eine Beimischung bei Neubauten sei möglicherweise denkbar, allerdings sei die Herkunft des Wasserstoffs ungeklärt. Zunächst würden voraussichtlich große Verbraucher mit Wasserstoff beliefert, nicht die privaten Haushalte.

Karl-Heinz Tiemann

Hinweis

Dieser Beitrag wurde für die Ausgabe 1/2026 von Rote Lippe Rose erstellt.