Der schwere Weg der Schwarz-Roten

Während wegen des am vergangenen Sonntag in Dortmund ausgetragenen Länderspiels von Deutschland gegen Italien (3:3) der Spielbetrieb in der Beletage und im Unterhaus des deutschen Berufsfußballs ruhte, konnten die Amateure in den Oberligen ihre Begegnungen fortsetzten. Der SV Lippstadt 08 musste am Nachmittag vor dem Klassiker im einstigen Westfalenstadion bei der SpVgg Erkenschwick im Stimbergstadion antreten. Keine einfache Aufgabe für die von Felix Bechtold betreuten Kicker des Lippstädter Fusionsvereins, zumal sie zuletzt nur noch gelegentlich überzeugen konnten.

Hans Zaremba über den SV Lippstadt 08

Momentaufnahme aus der Liebelt-Arena:
Die Geduld der Fans des SV Lippstadt 08 war in dieser Saison bei den wechselhaften Auftritten der Schwarz-Roten vielen Belastungen ausgesetzt.
Archiv-Foto: Hans Zaremba

Aufs und Abs

Insbesondere die Schlappe von Mitte März vor eigener Kulisse gegen die zweite Auswahl des Sportclub Preußen Münster (1:2) und nach den Worten des Lippstädter Coachs „harmlosen Gegner“ war für den heimischen Verein eine enorme Enttäuschung. Das Urteil der Fans des örtlichen Oberligisten nach dem sportlichen Reinfall in der schmucken Anlage an der Wiedenbrücker Straße war mit den üblichen Kraftausdrücken in seiner Deutlichkeit kaum noch zu überbieten. Folglich standen die Lippstädter in Erkenschwick vor einer massigen Herausforderung. Dabei ging es in diesem Match auch um die Perspektiven einiger ihrer Spieler, was vor der Reise des SV an den nördlichen Rand des Münsterlandes zu vernehmen war. Überrascht hat am Ende der 1:0-Last-Minute-Erfolg Gäste von der Lippe mit dem späten Tor von Janik Steringer. Doch der Sieg wurde durch eine schwere Verletzung von Justus Meier überschattet, als der Verteidiger mit einem Sanitätsfahrzeug in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Zudem verursachte der Zusammenstoß des Abwehrspielers bei einem Kopfballduell eine Unterbrechung der Partie von 20 Minuten. Unabhängig vom Dreier der Lippstädter bei der SpVgg Erkenschwick, für die einst der spätere Nationalspieler Horst Szymaniak (1934-2009) und heutige Filmemacher Sönke Wortmann am Ball waren, ist die erste Saison des SV 08 nach ihrem vorjährigen Abstieg aus der Regionalliga und 26 Auftritten in der Oberliga bislang mit vielen Aufs und Abs verlaufen.

Erwartungen

Die gegenwärtige siebte Position der Lippstädter in der Tabelle mit 38 Zählern verschleiert die eigentlichen Machtverhältnisse in der fünften Liga. Immerhin hat der dortige Spitzenreiter, die zweite Mannschaft des VfL Bochum, in 25  Spielen satte 58 Punkte holen können. Das Team aus dem Ruhrgebiet hat berechtigte Aussichten in 2025/26 in der Regionalliga dabei zu sein. Wer geglaubt hatte, der Verlust der Zugehörigkeit des SV in der Viertklassigkeit nach den vorherigen sechs Spielzeiten – von 2018 bis 2024 – würde nur von kurzer Dauer sein, musste sich wegen der unterschiedlichen Ergebnisse der Bechtold-Schützlinge in der aktuellen Saison eines Besseren belehren lassen. Dabei waren die Erwartungen der Verantwortlichen und Anhänger des SV 08 zehn Jahre nach ihrem Umzug vom Waldschlößchen zum Bruchbaum, wieder Regionalliga-Vergleiche in der jetzigen Liebelt Arena anbieten zu können, durchaus verständlich. Viele Konkurrenten des SV Lippstadt 08 beneiden den Vorzeigeverein des Lippstädter Fußballs um seine ausgezeichneten Bedingungen für den Spielbetrieb und die Möglichkeiten zum Training. Die sportliche Konstellation des SV Lippstadt 08 in der Oberliga Westfalen hat jedoch ähnliche Züge wie die Situation des FC Schalke 04 in der Zweiten Bundesliga. Sowohl die Blau-Weißen aus dem Revier als auch die Schwarz-Roten von der Lippe sind nicht konstant genug, um ihre angestrebten Schritte nach oben zu verwirklichen.